Berlin : Madonnas Ratgeber

Viele Show- und Filmgrößen studieren die Lehren des Friedensmissionars Deepak Chopra. Heute spricht er in Berlin

Elisabeth Binder

Deepak Chopra ist einer der berühmtesten geistigen Trainer in den USA und gilt als Betreuer vieler Hollywoodstars. Der gebürtige Inder ist tiefgebräunt, sportlich gekleidet und hat eine angenehme, unaufdringliche Ausstrahlung. Und nein, er betrachtet sich nicht als Guru. Er ist Arzt und Autor von 40 Büchern. Heute ist er Gast auf der Gala „Cinema for Peace“ im Schauspielhaus.

Auf keinen Fall will er etwas zu seinen Schützlingen sagen. Natürlich kämen neben vielen anderen auch die Leute aus Hollywood zu seinen Seminaren im Chopra Center in San Diego. Wer das sein könnte, erfährt man aber erst, als er selber schon wieder weg ist und seine nette Agentin mit einem Buch und einer CD daher kommt. Auf der CD präsentieren Deepak & Friends Musik inspiriert von Liebesgedichten. Zu den „Freunden“ zählen Madonna, Goldie Hawn, Debra Winger, Martin Sheen, Demi Moore.

Deepak Chopra hält viel von Spiritualität, aber gar nichts von Religion. „Gott gab den Menschen Wahrheit, und dann kam der Teufel und sagte, wir organisieren das und nennen es Religion.“ Sicher ist er schon als esoterischer Guru beschimpft worden, aber das ist ihm egal. „Moral und Ethik können nie kommandiert werden“, sagt er. Die Kindersex-Skandale der katholischen Kirche in den USA sind für ihn die bösen Folgen von Unterdrückung.

Den Papst hingegen findet er gut, auch wegen seiner aktiv kritischen Haltung zum Irak-Krieg. Er selbst kämpft für Frieden, spricht deshalb bei der „Cinema for Peace“- Gala. Bewusstsein ist alles für ihn, die Fähigkeit, Zusammenhänge zu sehen, aufmerksam zu sein. „Wir haben Roboter auf dem Mars, aber im Namen Gottes werden immer noch Kriege geführt, wird Hass und Gewalt gerechtfertigt. Wir riskieren es, unsere eigene Spezies auszulöschen, indem wir es zulassen, dass Menschen einander töten.“ Darin sieht er eine große Herausforderung für die Künstler. Der Irak-Krieg sei im Fernsehen wie ein harmloser Film gelaufen. Die Aufgabe der Künstler sei es, grausame Wirklichkeit sichtbar zu machen, um Abneigung dagegen zu schüren und Mitgefühl zu schaffen.

Kreative Menschen tendierten zu psychischer Unsicherheit. Die Weisheit, die in dieser Unsicherheit liegt, bringe sie in seine Seminare. Dort lernen sie gewaltfreie Kommunikation, emotionale Intelligenz und die Kunst, richtig zuzuhören. „Seduction of the spirit“ heißt eines der Seminare: „Spirituelle Ekstasen ähneln dem Rausch, der durch körperlichen Sex hervorgerufen wird.“

Das klingt nun wieder sehr nach mittelalterlichen Klöstern, aber natürlich kann auch ein Star-Coach die Welt nicht neu erfinden. Er sieht sich selbst ja eher als Forscher, nur dass er eben nicht den Mount Everest erforscht, sondern die Spiritualität. Chopra hat viele Jahre in Boston als Krankenhausarzt gearbeitet, bis er sich vom Körper auf die Seele verlagerte. Da scheint es große Marktlücken zu geben. Heilen, glaubt Chopra, kann man jemanden nur, wenn man auch seine Seele und seine Umgebung heilt.

Welche Übung würde er denn spirituellen Einsteigern empfehlen? „Setzen Sie sich ganz still in eine Ecke. Schließen Sie zehn Minuten lang die Augen und denken Sie darüber nach: ,Wer bin ich? Was will ich?‘“ Wer anfängt nachzudenken, hat den Weg der Erleuchtung schon beschritten. Mit einfachen Weisheiten ist die Menschheit eben immer schon weitergekommen. In Hollywood wie auf der Erde.

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