Berlin : Mächtig aufgedreht

Der ADAC-Ball feierte seinen 80. Geburtstag erstmals im neuen Maritim-Hotel in Tiergarten Die neuen Räume begeisterten die gut 4000 Gäste, die so prominent, elegant und entspannt waren wie selten zuvor

Elisabeth Binder

Auf der Tanzfläche nachts um halb eins: Vergnügt ziehen Bundespräsident Horst Köhler und seine Frau Eva Luise ihre Runden. Kein Gedrängel, kein Geschubse, die Arbeit ist erledigt, und ein bemerkenswerter Ball ist noch in vollem Schwung.

Zum 80. Geburtstag hat sich der ADAC-Ball ein erfolgreiches Lifting gegönnt. Das neue Maritim-Hotel mit seinen riesigen Sälen, den Wandel-Galerien und den üppigen Leuchtern erinnert so voller festlich in Smokings und langen Abendkleidern gewandeter Menschen an Ballszenen, wie sie in amerikanischen Spielfilmen aus den 30er und 40er Jahren manchmal zu sehen sind. Auch die Restaurants, kleinere Salons und das Foyer sind ins Geschehen mit einbezogen. Das Art-Déco-Ambiente vermittelt ein so viel eindeutigeres Ball-Gefühl als das ICC, dass der langjährige Austragungsort solcher Festlichkeiten dagegen wohl keine Chancen mehr haben wird. Mit 4000 überwiegend schickeriafernen Gästen gehört der ADAC-Ball zu den größten Bällen des Landes. Zum runden Geburtstag hatte sich diesmal außerdem viel Prominenz eingefunden.

Um kurz nach neun eröffnen Bundespräsident Horst Köhler mit Ilse Wegener und deren Mann ADAC-Chef Wolf Wegener mit Eva Köhler den Ball offiziell. Da haben die anderen Gäste bereits eine Stunde zu der Musik der Willy Ketzer Big Band getanzt. Dies ist ein Ball mit betont unprätentiösem Protokoll. Die Showeinlage mit Auto ist allerdings ein Muss. Ex-Formel-1-Fahrer Mika Häkkinen chauffiert den ADAC-Chef in einem weißen Cabrio-Oldtimer aus dem Jahr 1935 auf die Bühne. Später zeigt der zweimalige Weltmeister ganz andere Interessen und nimmt zusammen mit SPD-Justizministerin Brigitte Zypries an einer exklusiven Küchen-Führung teil. Derweil sortiert US-Botschafter William Timken, der mit Frau Sue und Tochter Frances gekommen ist, zufrieden einen Berg von Tombolalosen. „Amerikaner lieben Charity“, sagt er. Und wie wichtig es sei, Verantwortung zu übernehmen. Der Erlös der Tombola kommt dem Projekt „Achse“ (Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen) zugute. Für dieses Projekt hat Eva Köhler die Schirmherrschaft übernommen. Morgen wird sie in den DRK-Kliniken am Spandauer Damm eine Geschäftsstelle eröffnen und den Scheck über 40 000 Euro mitbringen können, den ihr Wolf Wegener nach Abschluss des Losverkaufs zugunsten ihres Projekts gegen 22.30 Uhr überreicht. Eine Achse habe die Aufgabe zu tragen und zu verbinden, sagt Eva Köhler in ihrer Dankansprache: „Sie haben den Menschen mit seltenen Erkrankungen Hoffnung gegeben.“Auch sie setzt sich entschieden für noch mehr freiwilliges Engagement ein. Da man Wohltätigkeit heute gern glanzvoll verpackt, werden hier sicher weitere einschlägige Veranstaltungen stattfinden.

Erfahrene Ballbesucher wie Herz-Professor Roland Hetzer oder Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) loben Ambiente und Organisation. Auch Alt-Bundespräsident Walter Scheel fühlt sich wohl und erinnert sich an seinen ersten Presseball, „damals in Bad Neuenahr, als wir gerade die Bundesrepublik gegründet hatten und Bonn noch keinen Ballsaal hatte“. Berlin hat nun einen weiteren, und ja, es gäbe auch noch was zu verbessern. Möge man dem Trend zum All-inclusive-Ball folgen. Das hätte den Vorteil, dass alle in alle Räume schwärmen dürfen und nicht in einer ansonsten sehr entspannten Atmosphäre vor den etwas angespannten Sicherheitsleuten wiederholt ihre Platzkarten hervorkramen müssen. Dass alles eingeschlossen ist, muss ja nicht Hummer und Champagner bedeuten, ein Buletten-Ball hätte gewiss viele Fans. Die einzige lange Schlange des Abends bildet sich nämlich ausgerechnet vorm Buletten-Stand. Dort gibt es wunderbare Berlin-bleibt-doch-Berlin-Konversationen wie diese: „Die sind ja noch rot innen“. Antwortet der Koch: „Det sind die Jewürze.“

Nicht nur Wolf Wegener bemerkt, dass die Garderoben eleganter sind als früher. Und Moderatorin Monica Lierhaus garniert ihre Ansagen mit patenten Ratschlägen: „Fahren Sie nie schneller, als Ihr Schutzengel fliegen kann.“

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