Berlin : Mächtig vermöbelt

Ikea verteilt 30 Millionen neue Kataloge – viele Möbel sind billiger, nur vier Billy-Regale nicht

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Man sagt Ikea und meint lustige Möbel zu niedlichen Preisen, aber in Wirklichkeit hat man es in einer Tour mit astronomischen Zahlen zu tun. Zum Beispiel der neue Katalog. Vorn drauf ist ein Bett. In Deutschland werden noch diese Woche 30 Millionen Exemplare verteilt. Aufeinander gelegt wäre der Stapel 855mal so hoch wie der Fernsehturm am Alexanderplatz. Weltweit hat der Katalog eine Auflage von 145 Millionen. Ikea hat in dem Geschäftsjahr, das heute endet, ein Umsatzplus von zehn Prozent gemacht auf nunmehr 2,45 Milliarden Euro. Allein in Deutschland.

Aber zurück zu den niedlichen Zahlen. 1000 von rund 10000 Artikeln im neuen Ikea-Katalog sind billiger als vorher und mit „Preis gesenkt“ markiert, vor allem Schlafzimmer und Küchen. Die Preisnachlässe gehen bis zu 50 Prozent. Die Preisoffensive koste den Konzern 130 Millionen Euro, sagt Ikea-Sprecher Kai Hartmann, der sich, wie er sagt, im Frühjahr eine Küchenfront gekauft hat, die jetzt 25 Prozent günstiger ist.

Die Verbraucherzentralen haben beim Blick in die Kataloge bereits herausgefunden, dass eine Hand voll Artikel im Gegenzug teurer geworden sind. Sie nennen als Beispiel das Billy-Regal, einen Kassenschlager. So einfach könne man das nicht sagen, heißt es bei Ikea. Es gebe 42 verschiedene Billy-Regale und nur vier seien teurer geworden. Nämlich: Billy in 80 Zentimeter breit und 1,06 Meter hoch. Das kostet in den Farben Buche, Birke, Eiche und schwarzbraun 49 statt bisher 46 Euro. Dieselben Maße in weiß oder grau kosten dafür 25 statt vorher 26 Euro.

Insgesamt ist Billy durch die Jahre aber einem fast schon dramatischen Preisverfall anheim gefallen. Bei seiner Einführung im Jahr 1978 – damals gab es gerade einmal fünf Filialen in Deutschland, heute sind es 33 – kostete das Regal in den Maßen 60 Zentimeter breit und 2,02 Meter hoch 79 D-Mark. Heute kostet das Modell 33 Euro, also rund 64 Mark.

Einen Teil der 1000-Artikel-Preissenkungen habe man dadurch erreicht, dass man besser produziere und günstiger transportiere, sagt Hartmann. Bei einem Sofa etwa sei der Karton geändert worden, so dass mehr Sofas in einen Container passen, woanders nutze man Rohstoffe besser aus. Niedrige Preise gehörten aber auch zur Unternehmensphilosophie von Ikea. Auf dem ersten Ikea-Katalog, der 1974 in Deutschland erschien, stand: „Wer jung ist, hat mehr Geschmack als Geld“. 1974, da wurde in München das erste Schweden-Kaufhaus hierzulande eröffnet. Inzwischen ist Berlin mit drei Ikea-Häusern bundesweit Spitze. München, Hamburg, Dortmund, Düsseldorf und Stuttgart folgen mit je zwei Filialen.

Und schon ist wieder Schluss mit niedlich: Insgesamt gibt es 175 Filialen in 23 Ländern. Der Katalog erscheint in 33 Sprachen. Wer Ende der Woche keinen im Briefkasten hat, kann ihn unter Tel. (01805) 353435 oder im Internet unter www.ikea.de bestellen. ari

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