• „Mäcke Häring – Die Jagd nach dem Kristallschädel“: Dem Comic-Detektiv sein Milljöh

„Mäcke Häring – Die Jagd nach dem Kristallschädel“ : Dem Comic-Detektiv sein Milljöh

Turbulente Ode an das Berlin der zwanziger Jahre: Michael Schröter schickt den Comic-Detektiv Mäcke Häring auf neue Abenteuer.

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Lokalkolorit. Sein aktueller Fall führt Privatermittler Mäcke Häring (mit Schiebermütze) durch Berliner Hinterhöfe, die an Bilder Heinrich Zilles erinnern. Illustration: Schröter/Promo
Lokalkolorit. Sein aktueller Fall führt Privatermittler Mäcke Häring (mit Schiebermütze) durch Berliner Hinterhöfe, die an Bilder...Illustration: Schröter/Promo

Diese Stadt kommt nie zur Ruhe. Zumindest nicht da, wo Mäcke Häring sich rumtreibt, der unkonventionelle Privatdetektiv mit der spitzen Nase und dem Herzen am rechten Fleck. Erfunden hat ihn der in Prenzlauer Berg lebende Comiczeichner Michael Schröter und vor zwei Jahren in dem selbstverlegten Schwarz- Weiß-Band „Ein Häring unter Haien“ zum ersten Mal durchs Berlin der späten zwanziger Jahre gejagt.

Jetzt hat der durch jahrelange „Mosaik“-Auftragsarbeiten versierte Zeichner, der früher auch als Szenenbildner beim DDR-Fernsehen, dann als Animationszeichner und schließlich vor allem als freier Grafiker arbeitete, mit „Die Jagd nach dem Kristallschädel“ das zweite Abenteuer vorgelegt. Zeichnerisch und erzählerisch ist das Album ein Qualitätssprung, wenngleich auch das Debüt schon gelungen war. Mit schwungvollem Strich, feiner Aquarellkolorierung und in breitestem Berlinerisch lässt Schröter seinen Ich-Erzähler darin eine turbulente Odyssee quer durch die Stadt erleben.

Auch Joachim Ringelnatz spielt eine Rolle

Auf der Jagd nach dem gestohlenen Maya-Kristallschädel einer Ufa-Schauspielerin geht’s zu rauschenden Bällen, Jazz-Partys und okkulten Versammlungen, doch auch durch zwielichtige Eckkneipen, vorbei an Kneipenschlägereien zwischen Hamburger Zimmerleuten und kriminellen Berliner Ringvereinen, samt Machtdemonstrationen der Nazis. Mit Hilfe seines erlebnishungrigen Protagonisten, der nebenbei als Chauffeur und Laufbursche der (fiktiven) Stummfilm-Schauspielerin Heda Juntau arbeitet, lässt Schröter ein Berlin lebendig werden, dass Joachim Ringelnatz einst so beschrieb: „Sausende Lichter / Tausend Gesichter / Blitzen vorbei: Berlin. / Übers Gewässer / Nebelt Benzin.“

Odyssee durch Berlin: Mäcke Häring auf dem Cover. Illustration: Schröter/Promo
Odyssee durch Berlin: Mäcke Häring auf dem Cover.Illustration: Schröter/Promo

Der Dichter tritt, leicht verfremdet, in einer von vielen liebevoll gestalteten Nebenrollen auf, ebenso wie Else Lasker-Schüler, Max Reinhardt und andere Protagonisten des kulturellen Lebens jener Jahre. Mäcke Häring kommt ihnen auch bei einem Ausflug nach Hiddensee näher, der ihm einen Durchbruch bei seiner Suche nach dem Kristallschädel beschert.

In satten Farben und mit Charakterköpfen, die oft an Zille und ein wenig auch Otto Dix erinnern, entwirft Schröter ein herrlich buntes, überdrehtes Bild der Stadt und ihrer Bewohner. Traumatische Erinnerungen der Hauptfigur an den Ersten Weltkrieg und der angedeutete bevorstehende Aufstieg der Nationalsozialisten geben dieser Ode an die Lebensfreude zusätzliches Gewicht. Zwar erschließt sich nicht jede dramatische Wendung dem Leser sofort, aber am Schluss fügen sich die vorübergehend verwirrend vielen Handlungsstränge dann doch zu einem runden Ganzen.

Michael Schröter: Mäcke Häring – Die Jagd nach dem Kristallschädel. Selbstverlag, 84 S., 18,50 €, ISBN 978-3-00-042598-1, in ausgewählten Buchhandlungen und online unter www.michaschroeter.de

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