Berlin : Mädchen im U-Bahnhof missbraucht

Zugreiniger zum dritten Mal als Kinderschänder vor Gericht. Jetzt muss er für 27 Monate ins Gefängnis

Kerstin Gehrke

Fröhlich kam das Mädchen auf den U-Bahnhof Wittenau. Sie war an jenem Tag lustig verkleidet. „Hallo, wir hatten Fasching“, begrüßte die Achtjährige den Mann, den sie einen Tag zuvor kennen gelernt hatte. „Ich bin ein Marienkäfer“, erklärte sie dem Zugreiniger. Ralf B. sagte, dass man von so einem hübschen Kostüm unbedingt ein Foto machen müsse. Das Mädchen war viel zu aufgeregt, um an die Warnungen der Mutter zu denken. Es ging mit dem so freundlich wirkenden Mann in einen Aufenthaltsraum, wo sich Ralf B. an ihm verging.

„Mit tut das so Leid“, beteuerte der 39-jährige B. gestern vor dem Landgericht. Er sprach von Warnsignalen, von inneren „Stoppschildern“, die er nicht gesehen habe. „Ich würde alles machen, damit es nicht wieder passiert – Medikamente nehmen, mich kastrieren lassen“, bot er an. Er wollte eine Gefängnisstrafe verhindern, wollte mit Bewährung davonkommen. Wie nach zwei früheren Übergriffen. Zuletzt war der Wiederholungstäter im Mai 2000 wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Zwei Jahre lang machte der pädophil veranlagte Mann eine Therapie. „Was ist Ihnen beigebracht worden?“, fragte nun die Richterin. „Dass ich es vermeiden soll, Kinder anzusprechen“, sagte der Angeklagte.

Er hatte Juliane (Name geändert) am 12. Februar auf dem U-Bahnhof angesprochen: „Brauchst du Hilfe?“ Das mittelblonde Mädchen meinte, dass sie nur aus Langeweile am Fahrscheinautomaten stehe. Er erzählte ihr von seiner Arbeit: „Wenn du aussteigst, mache ich den Wagen sauber.“ Dann kam ihre Bahn. Bei Ralf B. aber war wieder dieses „komische Gefühl“ da. Er stellte sich vor, wie er die Kleine nackt fotografiert, wie er sie anfasst. Am nächsten Tag lebte er seine Phantasien aus. Er sagte Juliane, dass seine Kamera in einem Raum liege, dass sie ihn begleiten solle. Er zog schließlich ihre Hose herunter, fotografierte das teils entblößte Kind, berührte es sexuell.

Der Angeklagte, ein schmächtiger Mann mit Brille und kurzem Haar, behauptete: „Als die Kleine dann ging, lächelte sie.“ Tatsächlich aber rannte Juliane nach Hause, legte sich weinend ins Bett. Sie erzählte ihrem neun Jahre älteren Bruder von der Sache. Er rief die Mutter an. Sie gingen sofort zur Polizei. Juliane hatte sich viele Details gemerkt. Die Beamten schenkten ihr einen Polizeibären. „Ohne den Bären geht meine Tochter nicht mehr aus dem Haus“, sagte die Mutter den Richtern. Juliane habe sich sehr verändert. Bis heute meide sie die U-Bahn, fühle sich schnell angegriffen. „Sie war früher sehr offen, das wurde ihr zum Verhängnis“, sagte die Mutter.

Durch sein Geständnis hat Ralf B. dem Kind eine quälende Aussage vor Gericht erspart. Das erkannten die Richter an. Auf eine Bewährungsstrafe aber hoffte er vergeblich. Der Angeklagte habe das Mädchen „zum Objekt seiner Lust herabgewürdigt“. Eine erneute Sexualtherapie mache bei ihm „keinen Sinn“. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs verhängte das Gericht eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten.

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