Berlin : Mädchen mit Mut

Keine Angst vor „Männerberufen“ – beim Girls’ Day können Schülerinnen neue Erfahrungen sammeln

Meike Patzig

Die Zehntklässlerin Yasemin hat schon genaue Pläne, was sie machen möchte: studieren und Flugzeugingenieurin werden. „Als wir letztes Jahr am Girls’ Day auf der ILA waren, kam ich auf die Idee, Ingenieurin zu werden.“ Ihre Freundin Mandy dagegen interessiert sich für handwerkliche Tätigkeiten. Sie wird in diesem Sommer den Realschulabschluss machen und möchte Zerspanungsmechanikerin werden. „Mein Interesse dafür hat im Arbeitslehre-Unterricht begonnen. Dann war ich am Girls’ Day bei Daimler-Chrysler und habe auch mein dreiwöchiges Schulpraktikum dort gemacht.“ Die Mädchen sind Schülerinnen der Gustav-HeinemannOberschule in Marienfelde und besuchen mit ihren Klassenkameradinnen Wiesal, Tanja und Catharina seit Jahren regelmäßig den Girls’ Day – dadurch wurde ihr Interesse für technische und naturwissenschaftliche Themen geweckt.

Während Mandy zuerst daran dachte, ihr Schulpraktikum im Kindergarten zu machen, kann sie sich nach der Erfahrung im Betrieb jetzt keinen anderen Beruf mehr vorstellen. Sie freut am Girls’ Day besonders die handwerkliche Betätigung. Viele andere Mädchen ihrer Schule nähmen nur teil, weil der Tag schulfrei sei, meint Mandy. Außerdem hätten viele kein Interesse an außergewöhnlichen Berufen. „Die meisten sind zufrieden mit ihren Auswahlmöglichkeiten, wie Friseuse oder so“, sagt Wiesal. „Viele haben Angst, sich die Fingernägel abzubrechen, aber auf dem Girls’ Day werden auch viele Computerberufe vorgestellt“, meint Catharina.

Der Girls’ Day an diesem Donnerstag will Mädchen ab der fünften Klasse Einblicke in nicht „frauentypische“ Berufe geben. Dieses Jahr wird der Girls’ Day mit mehr als 7000 angebotenen Plätzen in den Unternehmen noch größer werden als in den letzten Jahren. Betriebe und Universitäten geben den Mädchen gern die Möglichkeit zu Einblicken in technische und naturwissenschaftliche Bereiche, denn trotz verstärkter Werbung sind Frauen immer noch unterrepräsentiert.

Von der Heinemann-Oberschule werden auch dieses Jahr wieder fast 200 Schülerinnen mitmachen. Für Wiesal ist dabei wichtig, dass sich dabei alles um die Praxis dreht. „Da kann man sich auch mal Sachen angucken, die einen sonst nicht so interessieren. Ich hab’ dabei gemerkt, dass mir Handwerken nicht liegt und kann das jetzt ausschließen. Toll ist, dass viele Berufe vorgestellt werden, von denen ich nie gehört habe“, sagt die 16-Jährige.

Lehrerin Hildegard Pieper, die den Girls’ Day an der Heinemann-Schule organisiert, sieht das Ziel darin, den Blick für neue Tätigkeitsfelder zu öffnen. „Natürlich können die Mädchen sich danach für ,typische Berufe’ entscheiden, aber sie haben dann zumindest auch schon mal andere Möglichkeiten gesehen.“ Als Erfolg wertet sie etwa, dass sich zwei Zehntklässlerinnen als Prüfungsthema für den mittleren Abschluss freiwillig für die „Physikalischen Grundlagen des Fliegens“ entschieden haben – nachdem sie auf dem Girls’ Day Versuche dazu machen konnten.

Den Donnerstag werden Yasemin, Wiesal, Mandy, Tanja und Catharina im ZDF-Hauptstadtstudio verbringen. Was genau sie dort erwartet, wissen sie nicht – nur, dass sie dort die Bundesfamilienministerin treffen werden.

Anmeldungen im Internet unter www.girlsday-berlin.de.

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