Mängel bei der Betreuung : Treberhilfe drohen weitere Kündigungen

Der Berliner Treberhilfe bröckelt langsam die Geschäftsgrundlage weg. Nach der Kündigung der Rahmenverträge mit der Senatssozialverwaltung könnte bald die Jugendverwaltung nachziehen und ihrerseits Verträge kündigen.

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Damit würden dem sozialen Unternehmen mehr als acht Millionen Euro Umsatz fehlen. Außerdem verdichten sich die Hinweise, dass der Treberhilfe die Gemeinnützigkeit aberkannt wird. Damit würden erhebliche Steuernachzahlungen fällig.

Fünf Verträge mit der Treberhilfe über die stationäre Betreuung von Jugendlichen werden derzeit neu verhandelt. „Bis zum 30. Juni muss eine Einigung erzielt werden, sonst droht die Kündigung“, sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Jugend. Bei der Prüfung von Unterlagen der Treberhilfe seien „zahlreiche Auffälligkeiten“ zutage getreten. Unter anderem wurde die Buchführung moniert. „Eine effektive Kostenprüfung war nicht möglich.“

Treberhilfe-Geschäftsführer Gideon Joffe erklärte dagegen, einer Neuverhandlung der Verträge müssten sich derzeit viele soziale Träger unterziehen. „Das erfolgt turnusmäßig alle drei Jahre.“ Joffe sieht die Treberhilfe zu Unrecht an den Pranger gestellt. Der Vorwurf, Klienten unzureichend betreut zu haben, sei haltlos. Allerdings gab er zu, dass die Treberhilfe Dokumente zur Prüfung des Betreuungsschlüssels nicht herausgegeben habe. „Die Prüfung dieser Daten ist Sache des Wirtschaftsprüfers.“

Die „Kommission 75“ – das Kontrollgremium für die Vertragsabschlüsse des Landes mit den Sozialträgern – hatte zur Prüfung der Treberhilfe genaue Unterlagen eingefordert, aus denen sich ablesen lässt, wie viele Klienten ein Sozialarbeiter zu betreuen hat. Nach Aussagen ehemaligen Treberhilfe-Mitarbeiter wurde von den Vorgaben immer wieder abgewichen. Auch die Jugendverwaltung stellte bei ihrer Prüfung „vorübergehende“ Abweichungen vom Betreuungsschlüssel fest. Gegen den Prüfbericht der Kommission sei eine „Feststellungsklage auf Unwirksamkeit“ anhängig, sagte Joffe.

Demnächst soll der Antrag der Treberhilfe auf einstweilige Verfügung gegen die Kündigung der Verträge mit der Sozialverwaltung verhandelt werden. Gibt das Gericht dem Antrag statt, hat die Treberhilfe aber kaum Zeit gewonnen, denn viele Klienten suchen sich bereits einen neuen Träger. Sie können frei entscheiden, von welcher Organisation sie betreut werden. Martina Schmiedhofer (Grüne), Sozialstadträtin von Charlottenburg-Wilmersdorf, will alle von der Treberhilfe Betreuten einladen, sich einen anderen Träger zu suchen. Sie rechnet mit nur noch 30 Betroffenen. „Früher gab es mal 80.“ In Tempelhof-Schöneberg wird ebenfalls der „geordnete Rückzug“ organisiert.

Die nach dem Treberhilfe-Skandal gegründete „Neue Chance“ der Diakonie hat 50 ehemalige Treberhilfe-Mitarbeiter angestellt. Zusammen mit ihnen sind viele Klienten gewechselt. Auch der neue Träger „Soziale Dienste“ des ehemaligen Treberhilfe-Geschäftsführers Frank Biskup hat bereits 20 Ex-Beschäftigte der Treberhilfe. Biskup erklärte, er habe sich aus Krankheitsgründen aus der Geschäftsführung zurückgezogen. Die Sozialen Dienste gehören zum Unionhilfswerk, einem Verbund aus verschiedenen gemeinnützigen Unternehmen.

Gegen Treberhilfe-Gründer Harald Ehlert ermittelt weiterhin die Staatsanwaltschaft. Ihm wird Untreue vorgeworfen. Ehlert wohnt zur Miete auf einem Villengrundstück in Caputh, das der Treberhilfe gehört. Außerdem kassierte er ein hohes Geschäftsführergehalt und verfügte über einen Maserati als Dienstwagen.

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