Berlin : Männer für alle Fälle

Zwei Berliner sind für den Stuntman-Oscar nominiert worden

Björn Seeling

Aus Spaß würde Michael Bornhütter nie vom Zehn-Meter-Brett springen. Das mag angesichts der verbreiteten Reserviertheit gegenüber großen Höhen nicht überraschen. Doch der 41-Jährige verdient sein Geld damit. Er ist Stuntman. Der Berliner wurde als einer von ganz wenigen Deutschen für einen der Taurus World Stunt Awards nominiert, den Oscar der Branche. Am heutigen Sonntag wird der Preis in Los Angeles vergeben. Für einen Sturz aus etwa 25 Meter könnte er nun die Trophäe erhalten – so wie sein Kollege Sven-Thorsten Gliewe, Jahrgang 1964, der auch in der Kategorie „Best High Work“ nominiert ist. Beide riskierten ihre Haut im Action-Streifen „Half Past Dead“, auf Deutsch heißt der Film: „Halb tot“.

Michael Bornhütter ist ein ständiger Gast bei den Dreharbeiten zu „Hinter Gittern“, der RTL-Erfolgsserie. „Wenn es für unsere Darsteller zu gefährlich wird, holen wir Micha“, sagt Regisseurin Cornelia Dorn, die den Stuntman mit sichtlicher Freude begrüßt. An diesem Drehtag könnte sich sonst die Darstellerin der Nancy Konnopke die Haxen brechen. Laut Drehbuch soll die Gefangene Konnopke auf der Treppe straucheln. Die Regisseurin sagt Bornhütter, wie sie sich den Sturz vorstellt, er spricht kurz mit den Kameraleuten: zwei, drei Probestrauchler, und: holterdiepolter! Szene 27114/0 ist im Kasten. Der Zuschauer wird nicht merken, dass hier ein Mann zum gefallenen Mädchen geworden ist. Denn Bornhütter, der schon in mehreren „Tatorten“ mitmachte, teilt das Schicksal vieler Doubles: Er bleibt dank Kameratricks und Schneidetechniken unerkannt. „Ich habe kein Problem damit“, sagt Bornhütter und ist einer Meinung mit Sven-Thorsten Gliewe. Auch der arbeitet viel fürs Fernsehen, spielte in „Wolffs Revier“ und die „Cleveren“ mit.

Die beiden Stuntleute sind freundliche, umgängliche Mitmenschen, denen man nicht ansieht, dass ihr Job sie manchmal umhaut. Michael Bornhütter hat keine dicken Muckis, keine Boxernase und nicht mal eine sichtbare Narbe. Zum Dreh fährt mit einem winzigen Ford Ka. Doch Vorsicht, der Mann kann gefährlich werden. In drei asiatischen Kampfsportarten ist er ausgebildet. Über dieses asiatische Faible kam er zum Drehen. Er war Mitte 20, als ihn Leute vom Film ansprachen. Der junge Mann, der eigentlich Designer werden wollte, gab den Kneipenjob auf und fiel bald zum ersten Mal aus dem Fenster. Für eine britische TV-Serie. Sven-Thorsten Gliewe hingegen hat ein paar Stuntman-Gene vom Vater geerbt – wobei es „Kaskadeur“-Gene heißen müsste, denn Stuntleute gab es in der DDR offiziell nicht. Das hörte sich zu amerikanisch an. Gliewe war 19 Jahre alt, als er sich zum ersten Mal von einem Auto anfahren ließ. Dass er eines Tages mal mit US-Größen wie Melanie Griffith und Gene Hackman drehen würde, ahnte er nicht.

Ein paar der Hollywood-Größen werden heute in Paramount Studios in Los Angeles dabei sein, wenn der Taurus zum dritten Mal verliehen wird. Voriges Jahr eröffnete Arnold Schwarzenegger die Zeremonie: Er sprang aus einem Helikopter durch die Decke der Veranstaltungshalle direkt auf die Bühne. Der Auftritt von Dennis Hopper war nicht minder spektakulär: Seine Limousine kam nach einem Überschlag vor der Bühne zum Stehen. Michael Bornhütter und Sven-Thorsten Gliewe werden das Spektakel allerdings nur aus der Ferne verfolgen: Beide müssen arbeiten. Denn ihre Gagen erreichen keine schwindelerregende Höhen – anders als die Stunts.

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