Berlin : Mahmoud schweigt

Prozessauftakt gegen jungen Intensivtäter in Moabit

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Die Sache sei von der Staatanwaltschaft total aufgeblasen, erklärten die Verteidiger. Es sei unglaublich, dass ihr Mandant wegen eines solchen Vorwurfs bereits seit Monaten in Untersuchungshaft sitze. Es geht um den Libanesen Nidal R., der unter dem Namen „Mahmoud“ bekannt geworden ist. Der inzwischen 24-Jährige ist einer der bekanntesten Intensivtäter der Stadt. Seit gestern muss er sich wegen schwerer räuberischer Erpressung vor dem Landgericht verantworten.

Der Vorfall ereignete sich im Eingangsbereich der Diskothek Safe-T-Club in Mitte. Mahmoud und der Mitangeklagte Ibrahim E.-M. sollen „aggressiv und gewaltbereit“ aufgetreten sein. Als man sie nicht in die Disko lassen wollte, hätten sie einen Türsteher bedroht. Mahmouds 25-jähriger Kumpel soll mit den Worten „Ich stech dich ab“ ein Messer gezogen haben, um einen unentgeltlichen Eintritt zu erzwingen. Dazu wollten sich die beiden Angeklagten im Prozess nicht äußern.

Mahmoud beschäftigt Polizei und Justiz seit Jahren. Seit seinem 14. Geburtstag wurde er mehrfach verurteilt – wegen Körperverletzung, Raubes, Bedrohung oder Verkehrsdelikten. Andere Verfahren endeten mit Einstellung. Zuletzt wurde der Sohn einer libanesischen Großfamilie im April 2005 zu 26 Monaten Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Als Mahmoud im Mai bereits einen Großteil der verhängten Strafe in U- und Abschiebehaft abgesessen hatte, gewährte ihm ein Gericht Haftverschonung gegen Meldeauflagen.

Er war kaum in Freiheit, da war ein neuer Haftbefehl in der Welt und sorgte für ein juristisches Tauziehen: Das Amtsgericht stimmte der Staatsanwaltschaft zu, das Landgericht hob diese Entscheidung auf, das Kammergericht setzte den Haftbefehl wieder in Vollzug. Es sei eine erhebliche Strafe möglich, hieß es unter anderem. Der Prozess wird am 16. November fortgesetzt. K. G.

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