Berlin : Mahmouds Abschiebung zieht sich hin

Weiterhin fehlen Papiere für jungen Libanesen

Katja Füchsel

Gerade mal neun Tage hat „Mahmoud“ beim letzten Mal in Freiheit durchgehalten. Das war im Jahr 2004 – und der 23-jährige Libanese kann sicher sein, dass er nach der jüngsten Haftentlassung wieder unter besonderer Beobachtung der Polizei steht. Auch die Ausländerbehörde sitzt dem jungen Mann im Nacken. „Wir bemühen uns weiterhin um seine Ausweisung“, sagt Henrike Morgenstern von der Innensenatsverwaltung.

Wie berichtet, ist der unter dem Namen Mahmoud bekannt gewordene Serientäter am Montag aus dem Gefängnis entlassen worden. Zwei Mal wöchentlich muss sich der unter anderem wegen Körperverletzung verurteilte Libanese nun bei der Polizei melden. Das Landgericht hatte seine Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten in einem Berufungsverfahren bestätigt, ihn aber gleichzeitig zunächst haftverschont. 19 von insgesamt 26 Monaten hatte Mahmoud durch die Untersuchungshaft abgesessen. Sobald das Urteil rechtskräftig ist, soll darüber entschieden werden, ob Mahmoud den Rest seiner Strafe doch noch absitzen muss. „Die Staatsanwaltschaft hat bislang keine Revision beantragt“, sagt Justizsprecher Michael Grunwald. In der Berufungsverhandlung hatte die Anklage drei Jahre und drei Monate Gefängnis gefordert.

Mahmoud, ältester Sohn einer libanesischen Großfamilie, gilt in Berlin als einer der bekanntesten jungen Serientäter. Seit seinem 15. Lebensjahr wurde er mehrfach verurteilt – wegen Körperverletzung, Raub und Bedrohung. Als Mahmoud im Januar 2004 aus dem Gefängnis entlassen wurde, kam er in Abschiebehaft. Doch Libanon stellte die erforderlichen Papiere nicht zur Verfügung. So wurde der Intensivtäter nach sechs Monaten wieder entlassen. Nur neun Tage später, im September 2004, hatte er laut Anklage den Türsteher einer Diskothek mit einem Messer bedroht. Außerdem schlug und bedrohte er demnach eine frühere Freundin. „Er ist ein absolut gewaltbereiter, hochaggressiver Mensch“, hatte die Staatsanwalätin in ihrem Plädoyer gesagt. „Es scheint mir unmöglich, ihn in die Gesellschaft zu integrieren.“

In Berlin hat Mahmoud nur noch wenige Freunde: Seit Jahren tut die Ausländerbehörde, was sie kann, um den jungen Mann loszuwerden, selbst das Auswärtige Amt und das Bundesministerium für Inneres wurden eingeschaltet – vergeblich. Nach Angaben von Sprecherin Henrike Morgenstern hat Libanon bis heute nicht die nötigen „Pass-Ersatzpapiere“ ausgestellt. „Aber es wird ständig neu darum ersucht.“

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