Berlin : Mahnen nach Zahlen

Steuerzahlerbund sucht in Berlin einen Platz für seine Schuldenuhr

Katja Füchsel

Sie ist eine Berühmtheit, ein Markenzeichen, eine touristische Sensation. In Wiesbaden. Die Digitaluhr, deren Ziffern die Verschuldung von Bund, Ländern und Gemeinden so schonungslos dokumentieren. 2224 Euro, Sekunde um Sekunde. Selbst in der Nacht geben die roten Zahlen keine Ruhe, tauchen die Adolfsallee ins Zwielicht. „Wegen der Schuldenuhr wird die Gegend scherzhaft Rotlichtbezirk genannt“, sagt Karl Heinz Däke, Präsident des Steuerzahlerbundes. Aber nicht mehr lange: Der Steuerzahlerbund zieht im kommenden Frühjahr nach Berlin und will die laut Däke „meistfotografierte Uhr Deutschlands“ mitbringen – nur, es fehlt bislang ein Standort für den Schuldenzähler. An der Französischen Straße, wo der Bund vermutlich unterkommen wird, ist für die Uhr jedenfalls kein Platz. Däke: „Die Fassade ist denkmalgeschützt.“ Deshalb hat er sich jetzt auf die Suche gemacht und für interessierte Hausbesitzer, Werbeagenturen und Immobilienbüros einen detaillierten Kriterienkatalog herausgegeben. „Folgenden Anforderungen muss der Standort genügen“, heißt es darin und: „Die Schuldenuhr muss mit Strom versorgt werden. Die Schuldenuhr muss zugänglich sein. Der Standort sollte längerfristig zur Verfügung stehen. Die Schuldenuhr muss auffallen…“ Einige Interessenten haben sich gemeldet, nur genügten sie den Ansprüchen nicht. Finanzsenator Thilo Sarrazin beispielsweise bot einen Platz in der Eingangshalle seiner Behörde. Zu weit entfernt vom neuen Quartier und zu versteckt, winkte Däke ab. „So viele kommen da schließlich nicht durch.“

Also sucht der Verbandspräsident weiter, spielt in Gedanken seine Vorlieben durch. Mitten auf dem Potsdamer Platz? „Das wäre unglaublich super!“ Vor dem Roten Rathaus? „Auch nicht schlecht.“ Nahe des Kanzleramts? „Zu viel Freifläche.“ Vor dem Haus der Bundespressekonferenz? „Das wäre toll!“ Und auch die Ministergärten kämen Däke recht, „wegen der Nähe zur Politik“. Gepaart mit der Nähe zum Geld, das fände der Steuerzahler-Präsident absolut perfekt. Die denkmalgeschützte Fassade des Objekts der Begierde ist zwar tabu, aber: „Am besten wäre es, wenn sie in unmittelbarer Nähe des Finanzministeriums aufgebaut würde.“

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