• Makromarkt am Ku’damm: Alles muss raus Wegert-Kette schließt aus finanziellen Gründen

Berlin : Makromarkt am Ku’damm: Alles muss raus Wegert-Kette schließt aus finanziellen Gründen

-

„Der Englische Patient“ ging für 7 Euro 97 über den Ladentisch, Georges Moustaki für 2 Euro 49. „Es lebe billig“ – der Werbeslogan, mit dem Matthias und Michael Wegert deutschlandweit in ihre ElektronikKette Makromarkt locken, wurde gestern im Kudamm-Karree aus besonderem Anlass nochmals überboten: Es war der letzte Verkaufstag der 7000 Quadratmeter großen Filiale der Wegert-Brüder. Überraschend war den 240 Mitarbeitern vergangene Woche mitgeteilt worden, dass am 18. Juni Schluss sein wird mit dem billigen Leben im Kudamm-Karree.

Gestern Mittag waren dort die Technik-Regale schon fast leer geräumt, nur bei den CDs und DVDs wurde noch eifrig unter den Schnäppchen gewühlt – ein junges Pärchen hatte sich seinen Einkaufskorb randvoll mit Filmen geladen. Die nochmals gesenkten Preise lockten viele, die meisten griffen mehr als einmal zu.

Frustriert, gar unglücklich wirkten die Mitarbeiter gestern nicht, obwohl wahrscheinlich die Hälfte von ihnen den Job verliert. „Ist das warm hier – und das an meinem letzten Tag“, rief eine Kassiererin ihrer Kollegin zu und antwortete dann nur kurz mit „Ja“ auf die Frage einer Kundin, ob sie arbeitslos wird. „Ich habe Glück, ich kann bei Wegert bleiben“, sagt ein Kollege in der ersten Etage, mehr aber auch nicht.

Über die Hintergründe der Schließung war gestern in den Makromarkt-Filialen nichts zu erfahren – Presse und Fotografen waren unerwünscht. Vom Sparkurs war hinter vorgehaltener Hand die Rede. „Wir sind ganz schlecht bei Wegert organisiert“, sagte Andreas Splanemann von der Gewerkschaft Verdi. Er wisse auch nichts über die Hintergründe der Schließung. Es sei lediglich bekannt, dass Wegert finanzielle Schwierigkeiten habe. Gespart hatte man schon einmal. Vor zwei Jahren hatten die Brüder das Unternehmen „Promarkt“ für einen Euro von der englischen Kingfisher-Gruppe zurückgekauft. Makromarkt war der neue Name, unter dem Wegert seine „Es lebe billig“-Angebote machte. Statt in einst 92 nur noch in 75 Filialen. Das Geschäft am Kurfürstendamm war das größte, nun ist es wohl zu groß geworden.

Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Berliner Einzelhandelsverbandes befürchtet aber nicht, dass die Räume lange leer stehen werden. „Der Kurfürstendamm ist permanent im Wandel. So schlecht, wie er geredet wird, ist er nicht.“ Wo gestern Oscar-gekrönte Filme wie „Kramer gegen Kramer“ zum Schnäppchenpreis verkauft wurden, würden sicher bald neue Inhaber Angebote machen, meint Busch-Petersen. hema

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar