Berlin : Malerei und Weißbier

In einer sanierten Wannsee-Villa eröffnet der „Kunstsalon Berliner Secession“

Andreas Conrad

Der Maler war mit der Arbeit des Bildhauers zufrieden: „Ich glaube nicht zu irren, wenn ich den Kopf nach mir für den lebenssprühendsten halte unter den vielen, die Sie geschaffen haben“. Wahrscheinlich war Max Liebermann selbst an Georg Kolbe herangetreten, um in Bronze porträtiert zu werden, als Dank durfte dieser sich ein Pastell aussuchen. Ein Exemplar der 1929 entstandenen Büste kann man in der alten Industriellenvilla Am Großen Wannsee 40 besichtigen. Dort, auf dem Grundstück rechts neben Liebermanns Villa, wird morgen vor 250 Gästen der „Kunstsalon Berliner Secession“ eröffnet, ein Projekt des Stifter- und Sammlerehepaares Jörg und Traute Thiede. Der Kunstsalon im ersten Stock ist Herzstück der aufwändig sanierten Villa, die zugleich „Haus der Begegnung“ sein soll, Ort für interdisziplinäre Foren wie auch für eher physische Bedürfnisse, die im Erdgeschoss in einer Alt-Berliner Kneipe, mit Solei und Weißbier, gestillt werden.

Eine um das prächtige Treppenhaus gruppierte Zimmerflucht wurde zum Kunstraum, in der als erste Ausstellung 120 Werke aus der „Vereinigung der XI“ zu sehen sind. So nannte sich die Künstlergruppe um Max Liebermann, Walter Leistikow und Franz Skarbina, die sich von der Kunstauffassung des Wilhelminismus mit ihrem führenden Vertreter Anton von Werner abgrenzte und 1892 in Berlin mit einer ersten Ausstellung an die Öffentlichkeit trat. Die Gruppe ging 1898 in der Berliner Secession auf.

Von den beiden Räumen, die Liebermann gewidmet sind, blickt man auf dessen ehemalige Villa. Rund zwei Dutzend Gemälde und Zeichnungen sind zu sehen, viele sind nebenan im Garten des Malers entstanden, so auch ein Gemälde von 1916, das drei Jahrzehnte im Wohnzimmer eines Berliner Sammlers hing. Für die Bilder wählte man die so genannte Petersburger Hängung, mit mehreren Werken übereinander. Die Wandfarbe der Räume wechselt von Lindgrün über Pfirsichgelb und Rostrot bis zu zartem Quittengelb. Die Werke sind nummeriert, auf einer Karte kann man über die Nummern Künstler, Titel und Entstehungsjahr zuordnen. Einige Werke sind Leihgaben von Museen, darunter auch dem Stadtmuseum. Die meisten kamen von privaten Sammlern, einige gehören dem Stifterehepaar.

Die Idee des Salons entstand aus einem anderen Projekt der „Dr. Jörg Thiede Stiftung“: der Sanierung der Potsdamer Villa des Marinemalers Saltzmann. Im April 2004 hatte Thiede von der Telekom die Villa Am Großen Wannsee gekauft – für zwei Millionen Euro, wozu 2,5 Millionen Euro für die Sanierung kamen. Die Mittel verdankt er seiner langjährigen Tätigkeit in der Computerindustrie. Jetzt liegt sein Schwerpunkt in der Sanierung von Baudenkmalen, die er soweit wie möglich von „Jugendlichen mit schlechten Startchancen“ ausführen lässt. Für die Sanierung des Kreuzberger Baerwaldbads wurde die Stiftung Landessieger beim Förderpreis „Jugend in Arbeit“.

Geöffnet ab 3. März, freitags bis montags 11 – 17 Uhr, ab April täglich (außer dienstags). Eintritt 3, ermäßigt 2 Euro.

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