"Mamma Macchiato" : Ein Musical über Prenzlauer Berg

Der Plot von "Mamma Macchiato", dem Prenzlauer-Berg-Musical, das die Gruppe Stammzellformation gerade uraufgeführt hat, ist simpel - und eine Liebeserklärung an den Stadtteil.

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Laptops als Waffen. Die Darsteller zoffen sich mit kieztypischen Mitteln.
Laptops als Waffen. Die Darsteller zoffen sich mit kieztypischen Mitteln.Foto: promo

Mit manchen Problemen lässt sich leben: Wenn der Laptop keinen Netzempfang hat. Oder wenn in der Nachbarschaft mal wieder ein Luxuswagen brennt. Doch wenn die Milch alle ist im Café, ausgerechnet in Prenzlauer Berg, dann droht die Katastrophe. Weil Milch hier doch das wichtigste ist. Was bitte soll man sonst aufschäumen?

So simpel ist der Plot von „Mamma Macchiato“, dem Prenzlauer-Berg-Musical, das die Gruppe Stammzellformation gerade uraufgeführt hat. Natürlich in Prenzlauer Berg selbst, im Maschinenhaus der Kulturbrauerei, damit möglichst viele Betroffene sich wiedererkennen. Und über sich selbst lachen können. „Das Musical, das der Prenzlauer Berg verdient“, heißt es in der Ankündigung. Geschrieben hat das Stück Tom van Hasselt, 32, der auch eine der Hauptrollen und außerdem Keyboard spielt. Der Kabarettist wohnt selbst im Viertel, in der Greifenhagener Straße, parallel zur Schönhauser. Mit seiner Frau bezog er vor kurzem eine Neubauwohnung, jawohl, als Teil einer Baugemeinschaft, und einen sechsjährigen Sohn plus Hund hat er auch noch. „Ich lasse kein Klischee aus“, sagt er. Das erklärt, wie „Mamma Macchiato“ zu verstehen ist: nicht als bitterböse Abrechnung, sondern als neckische, ironisch verpackte Liebeserklärung an den eigenen Stadtteil.

„Ein Kind wird gezeugt, ein anderes gesäugt. Es ist Frühling in Prenzlauer Berg“, singt Kollegin Nini Stadlmann im Maschinenhaus. Die Dialoge kreisen um Szene-Umstandsläden, substanzlose Businesspläne, Vor- und Nachteile von Gentrifizierung und Sojamilch. Was Bürgerkinder im Heile-Welt-Kiez eben so bewegt, angeblich. Die Figuren sind natürlich zugespitzt, sagt der Macher, die Stereotypen nicht unbedingt neu. Aber darum sei es ihm nie gegangen. Er wollte einfach eine gute Geschichte erzählen. Die soll nicht verraten werden, aber: Milchknappheit im Café und Überangebot an stillenden Müttern, daraus müsste sich doch eine Geschäftsidee schneidern lassen, hat sich Tom van Hasselt gedacht.

Vorurteile gegen Zugezogene gibt es auch, da konnte der Texter ebenfalls aus seiner eigenen Biografie schöpfen. Er wuchs im Rheinland auf, seine Frau ist tatsächlich Schwäbin. Sie wollen noch lange hier wohnen bleiben. Obwohl sie ein bisschen Angst davor haben, wie sich der Stadtteil verändern wird, wenn die vielen Kinder hier erst mal in die Pubertät kommen. Ob die dann Gangs bilden? Naja, allzu brutal wird’s schon nicht werden, glaubt van Hasselt. Sebastian Leber

Die nächsten Vorstellungen sind diesen Sonntag, Montag und Dienstag jeweils ab 20 Uhr in der Schönhauser Allee 36. Eintritt 16 Euro, www.stammzellformation.de.

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