Berlin : Mamma Mia: Streit um Money, Money, Money Am Abba-Musical,

das ab heute im ICC gastiert, wollen viele verdienen

Frederik Hanssen

Hamburg ist im Abba-Fieber: Seit acht Wochen läuft im Operettenhaus der Hansestadt das Musical „Mamma mia“, sensationelle 300 000 Tickets sind bereits verkauft, bis März 2003 kann man nur noch auf Restkarten hoffen. Dort, wo Andrew Lloyd Webbers unermüdliche „Cats“ vor ihrem Umzug nach Berlin die Beine schmissen, klatschen jetzt die Fans der schwedischen Kultgruppe bei den Hits von „Money, Money, Money“ bis „The winner takes it all“ entfesselt im Takt mit. Kein Wunder, dass da auch andere von der Euphorie profitieren wollen.

Beispielsweise der Kieler Gastspiel- und Theaterveranstalter Gerhartz: Also schickte er Ende November eine Reiseproduktion, die Abba-Songs mit bekannten Beatles-Nummern mischt, unter dem Titel „Mamma mia–come together“ los, auf Tournee quer durch Europa. Natürlich liegt auch Berlin auf Gerhartz’ Route: Vom 29. bis zum 31.Dezember macht das Hitparaden-Musical nun im Charlottenburger ICC Station.

Wer nur oberflächlich auf die Plakate schaut, die in den U-Bahnhöfen für Gerhartz’ Show werben, kann beim Anblick der Typen in schrillen Glitzerklamotten die Tourneeproduktion leicht mit dem Hamburger Original verwechseln. So sieht es auch der niederländische Musical-Gigant „Stage Holding“, dem die Rechte an „Abba’s Mamma Mia“ gehören. Der schwerreiche Unterhaltungskonzern, der neben den Hamburger Mega-Spektakeln „König der Löwen“ und „Titanic“ unter anderem auch das Theater am Potsdamer Platz betreibt und gerade das Theater des Westens vom Berliner Senat erworben hat, legte beim Hamburger Landgericht Beschwerde gegen das vermeintliche „Plagiat“ aus Kiel ein. Mit einer einstweiligen Verfügung wollte man gerichtlich verbieten lassen, dass „Mamma mia–come together“ Abba-Songs benutzen darf.

Im September bestätigte das Landgericht das Anliegen der „Stage Holding“, im Oktober wies es den Widerspruch von Gerhartz gegen die einstweilige Verfügung zurück. Am 23.Dezember aber musste der holländische Unterhaltungskonzern eine Schlappe einstecken: In der endgültigen Entscheidung wurde vom Gericht festgesetzt, dass Gerhartz lediglich den Titel von seinem Konkurrenzprodukt verändern muss, um Verwechslungen mit dem erfolgreichen Abba-Musical in Hamburg zu vermeiden. Also heißt die Tournee-Show jetzt nur noch „Mamma – come together“. Auf der Website des norddeutschen Veranstalters, der auch diverse „Freddy Quinn“-, Verdi-, Lloyd-Webber- und Operetten-Galas im Angebot hat, ist die betreffende Internet-Seite derzeit noch „unter Rekonstruktion“.

Ob die Besucher des Berliner Gastspiels die Show letztlich tatsächlich für eine Original-Produktion halten werden oder nicht, kann Gerhartz nun erst einmal egal sein. Die meisten kommen sowieso nur aus einem Grund ins ICC: Weil sie die alten Songs wieder hören wollen.

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