Berlin : „Man darf doch erfahren, wer die Schuldigen sind, oder?“

Die Schauspielerin Angelica Domröse unterstützt das Bürgerbündnis gegen den Bankenskandal – vom Senat ist sie enttäuscht

Stefan Jacobs

Vor wenigen Tagen hat sich die Schauspielerin Angelica Domröse politisch engagiert – zum zweiten Mal in ihrer mehr als 40-jährigen Karriere. Das erste Mal war 1976, als sie die Petition gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann aus der DDR unterschrieb. Diesmal geht es um den Berliner Bankenskandal: Domröse und ihr Mann Hilmar Thate gehören zu den etwa 150 Unterzeichnern des Schreibens an Klaus Wowereit, in dem sie vor einer Bedrohung der Demokratie warnen und die konsequente Aufarbeitung des Bankenskandals fordern. „Man darf doch mal erfahren, wer die Schuldigen sind, oder?“, fragt sie sich laut und etwas empört, wenn sie auf den Brief an den Regierenden Bürgermeister angesprochen wird.

„Wenn irgendwo außerhalb über Berlin geredet wird, verdrehen die Leute immer gleich die Augen“, sagt die 62-Jährige. Kaum jemand kenne die Details, aber jeder wisse um die finanzielle Katastrophe. „Da ist ganz oft von Unvermögen die Rede – zumal, wenn da nicht mal jemand angeklagt wird.“ Dass die Staatsanwaltschaft den von Künstlern, Wissenschaftlern, Ärzten und Juristen unterzeichneten Brief etwas daneben fand, ficht sie nicht an: Klar sei es mühsam, sich durch eine Turnhalle voller Akten zu kämpfen, „aber da muss es Prioritäten geben und basta!“. Am Theater sei es auch normal, dass eine Premiere um jeden Preis pünktlich klappen müsse, wenn die ersten zwölf Vorstellungen schon ausverkauft sind. „Dann wird eben in der Werkstatt mal mehr gearbeitet.“

Was die Bank betrifft, wartet Domröse seit drei Jahren auf die Premiere des Stückes, in dessen letztem Akt ein Verantwortlicher bestraft wird. „Ich lasse mir gern Naivität vorwerfen. Aber nicht, dass ich nicht weiß, was in dieser Stadt an Murks passiert“, sagt die Schauspielerin, die vor 32 Jahren als Hauptdarstellerin in der „Legende von Paul und Paula“ berühmt wurde und 1980 mit ihrem Mann die DDR verließ, nachdem sie wegen der Biermann-Resolution beruflich kalt gestellt worden war. Jetzt wohnt sie mit Hilmar Thate in Charlottenburg. „Es ist meine Stadt, und ich habe sie sehr gern“, sagt sie über Berlin. Deshalb will sie nicht zuschauen, wie die Stadt vor die Hunde geht. Deshalb hat sie unterschrieben.

Angelica Domröse hat nicht vor, in die Politik zu gehen; als Schauspielerin, Regisseurin und Honorarprofessorin an der Universität der Künste hat sie Besseres zu tun. Aber sie will sich nicht damit abfinden, dass der Bankenskandal ausgesessen wird und „diese Leute weiter rumlaufen und ihre Gehälter kriegen“. Sie ist enttäuscht über die Antwort des Senats, der den Protestlern beschied, dass bei Haushaltsfragen kein Volksbegehren möglich sei. Es gehe ja nicht darum, dass das Volk etwas umsonst haben wolle, sagt sie. Statt des schnellen Nein hätte sie sich lieber eine abwägende Antwort gewünscht. Nach dem Motto: Das Volksbegehren wird angenommen, aber nicht von heute auf morgen. An die DDR fühle sie sich bei all dem aber nicht erinnert, sagt sie. Damals regierten Diktatoren. Und jetzt das Geld.

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