Berlin : Man müsste Klavier spielen können Schauspieler Jamie Foxx stellte seinen Film

über die Musiker-Legende Ray Charles vor

Andreas Conrad

Schade, kein Klavier im Raum. Draußen in der Adlon-Lobby hat zwar soeben am Flügel die nachmittägliche Stunde der Kaffeehausmusik begonnen, hier drinnen das Lindenzimmer ist aber pianofrei. Keine Chance also, dass Jamie Foxx jetzt noch einmal, wie vormittags beim Fototermin, in die Tasten greift und „Noël, Noël“ zu singen beginnt. Oder uns gar den Ray Charles gibt, aus dem Handgelenk „Hit the Road, Jack“ intoniert oder „Georgia on my Mind“. Dass er wieder zu dem blinden Sänger des Films wird, eine Rolle, die ihm schon eine Golden-Globe-Nominierung eingetragen hat. Eine von dreien, die er in dieser Saison gesammelt hat, was schon einen Rekord bedeutet, unabhängig, ob er diesen Preis nun bekommt oder vielleicht sogar einen Oscar.

Nein, leider kein Klavier. Aber danach fragen kann man natürlich, ja, muss es sogar, ist doch das Klavier für Foxx in seiner Welt die „Grundlage von allem“. Man nehme nur Leute wie Billy Crystal, Eddie Murphy und viele andere: Alle hatten sie eine Herkunft als Comedian, und da ist eben immer das Klavier mit im Spiel.

Am Klavier musste Foxx sich vor Ray Charles erst bewähren, bevor der ihn als sein Alter ego im Film des Regisseurs Taylor Hackford akzeptierte. Als Erfahrung war das „unglaublich“ – und für Foxx als Musiker eine harte Stunde. Immerhin, Ray Charles hatte seine Hände prüfend betastet und die „strong fingers“ gelobt. Das Instrument hatte Foxx am College gründlich gelernt, aber die Ausbildung war doch sehr klassisch gewesen. Mit Blues und Gospel kam er noch klar, aber als Charles zu Jazzklängen von Thelonius Monk wechselte, kam er arg ins Schwitzen, verspielte sich, und Ray Charles mahnte ihn: „Lass dir Zeit. Du musst die Noten finden, bevor du sie spielst.“

Das muss Foxx zur vollen Zufriedenheit seines Meisters beherzigt haben. Ray Charles habe sich das gedrehte Material und den fertigen Film oft vorführen lassen und lobte ihn sehr. Gründlich hatte Foxx den blinden Musiker studiert, selbst kleine Eigenarten, die ihm auf Videos von früheren Auftritten auffielen, in sein Spiel aufgenommen. Stundenlang trug er dabei undurchsichtige Kontaktlinsen.

Was schwieriger sei, eine reale Person zu spielen oder eine erfundene? Jamie Foxx muss nicht nachdenken: Die reale Figur ist schwerer. Und eine wie Ray Charles besonders, weil jeder ihn kennt.

Ein Schock war es nicht, als Ray Charles im Sommer starb. Trauer, das natürlich. Aber jeder wusste ja, wie krank er war . In den letzten vier Monaten schloss er sich ganz ab und wollte keine Besucher mehr empfangen, nicht mal seinen alten Weggefährte Quincy Jones. Der nahm daher eine CD auf, mit sehr persönlichen Erinnerungen an die gemeinsamen Erlebnisse, und schickte sie ihm. So hat er seinen Freund doch noch erreicht.

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