Manegen in Berlin : Eine Mütze voller Lachen

Der russische Staatscircus gastiert in Berlin – und mit ihm der legendäre Clown Oleg Popov. Aber auch ohne solche berühmten Besucher ist die Artistenszene der Stadt sehr lebendig.

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Schenk mir einen bunten Luftballon. Mit der Tournee des Russischen Staatscircus feiert der 80-jährige Oleg Popow zugleich sein 60. Manegenjubiläum.
Schenk mir einen bunten Luftballon. Mit der Tournee des Russischen Staatscircus feiert der 80-jährige Oleg Popow zugleich sein 60....Foto: dapd

Seine Markenzeichen sind die aufgeplusterten, grellblonden Haare unter der karierten Ballonmütze, seine Aufgabe ist die Verschönerung der Welt: Oleg Popov gewinnt die Herzen des Zirkuspublikums nicht mit Klamauk, sondern mit leiser Poesie. Und bringt sie lieber zum Weinen als zum Lachen. Zum 80-jährigen Geburtstag und 60. Manegenjubiläum des berühmten Clowns präsentiert der Große Russische Staatscircus ab diesem Freitag bis zum 13. Juni an der O2-World die Oleg-Popov-Jubiläumstour. In einem 140-Minuten-Programm zeigt der Clown seine beliebtesten Stücke und eine Klassik-Reprise aus den fünfziger Jahren. Weitere Attraktionen in dem Zirkus, der auf Nummern mit exotischen Tieren traditionell verzichtet, sind Motorrad-Stunts, Luftartistik, Zauberei, Jonglage, eine Hunde- und Pferdedressur und eine Charlie-Chaplin-Hommage.

Viele Kinder, die dann lachend und staunend im Publikum sitzen, wünschen sich, auch einmal selbst in der Manege zu stehen: auf dem Trampolin, am Seil oder Trapez akrobatische Kunststücke zeigen, die Zuschauer mit Jonglieren und Zauberei verblüffen oder mit Späßen zum Lachen bringen. Schließlich hat jeder mal klein angefangen, auch Popov, der sogar erst mit zwölf Jahren auf die Zirkusschule ging. Wer als Kind in der Manege seinen zukünftigen Arbeitsplatz sieht, bewirbt sich meist direkt bei der Staatlichen Artistenschule Berlin in Prenzlauer Berg oder bei der privaten Artistenschule Contraire in Alt-Köpenick, die in diesem Jahr ihr 30. Jubiläum feiert. Doch in Berlin gibt es noch andere Orte, an denen Kinder und Jugendliche Zirkusluft schnuppern können – als Freizeitspaß, Hobby und Sport.

Unter diesen zirzensischen Angeboten zählt der Zirkus Zack im RAW-Tempel in Friedrichshain vom „Verein zur Überwindung der Schwerkraft”, kurz „Vüsch“, zu den größten und aktivsten. In den Nachmittagsstunden trainieren hier rund 200 Jungartisten von vier bis 20 Jahren in 13 Kursen. Während es bei den Kleinsten mehr um den Spiel- und Erfahrungsraum und weniger die Vorbereitung von Aufführungen geht, studieren die Älteren mit rund 15 ausgebildeten Trainern zu den Sommerferien und zur Weihnachtszeit regelmäßig neue Produktionen ein. Außerdem finden Zirkusfreizeiten sowie internationale Austauschtreffen statt, zuletzt mit der Französischen Schule aus dem kolumbianischen Bogotá. Seit Dezember betreibt der „Vüsch“ außerdem einen ehemaligen Standort des Kinderzirkus Cabuwazi, die Circus-Schatzinsel in Kreuzberg, mit zusätzlich rund 150 Kindern. Im Juni wird hier die neue Produktion „Die Schatzinsel” gezeigt, für die zurzeit eifrig geprobt wird. „Zirkusarbeit fördert nicht nur die Motorik, Balance, Koordination und Kondition, sondern stärkt auch Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein”, erklärt Olaf Schenckenberg, Projektleiter vom Zirkus Zack. Zudem ebne sie den Weg zu anderen Themen wie Umwelt, Ernährung und interkulturelle Bildung.

Wenngleich die Circus-Schatzinsel nun nicht mehr zum Cabuwazi-Verbund gehört: Das Team dieses Kinder- und Jugendzirkus ist erleichtert, dass nach der drohenden Insolvenz unter neuem Träger die weitere Arbeit an den fünf derzeitigen Standorten in Friedrichshain, Kreuzberg, Treptow, Marzahn und Altglienicke erst einmal gesichert zu sein scheint.

Auch der Kindercircus der Ufa-Fabrik in Tempelhof blickt mit seinem gut besuchten Kursprogramm von Akrobatik und Breakdance über Jonglieren, Tanzen und Trommeln optimistisch in die Zukunft und ist stolz auf die Erfolge seiner interkulturellen Arbeit. Zum 25. Jubiläum wird das jährliche „Kinder-Circus-Festival” im September mit besonders vielen Attraktionen locken.

Während es für manche Kurse in den verschiedenen Kinderzirkussen durchaus mal zu Wartezeiten von einem bis zu zwölf Monaten kommen kann, lockt der Schöneberger Kinderzirkus „Juxirkus” von Montag bis Freitag mit offenen Trainingsnachmittagen, an denen stets zahlreiche Kinder und Jugendliche teilnehmen. Kein Wunder: Aus der Schule direkt in die Manege – toll.

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