Berlin : Manfred Radermacher – Ein Kandidat für einen Tag

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Der dritte Mann hat sich vielleicht ein wenig überschätzt, als er sagte, er wolle für den CDULandesvorsitz kandidieren. Der dritte Mann heißt Manfred Radermacher und ist Datenschutzbeauftragter der Bäderbetriebe. Der dritte Mann hat, so berichtet der CDU-Landesgeschäftsführer Matthias Wambach, am Sonntagabend zwischen 21.33 Uhr und 22.19 Uhr drei E-Mails an Wambach geschickt, in denen er seine Kandidatur anmeldete. Warum es drei waren, hat sich Wambach nicht erschlossen.

Kaum einer weiß, was Manfred Radermachers politisches Sendungsbewusstsein am Wochenende so erweitert hat, dass er das erste Amt der Landespartei erobern will. Von „Bierlaune“ ist die Rede; das schöne Wort „Unpässlichkeit“ findet Verwendung, um Radermachers Verfassung bei der Ankündigung der Kandidatur zu beschreiben. Stephan Tromp, Kreisvorsitzender in Mitte, kennt Radermacher als einfaches Mitglied, mit dem man allerdings angeregt diskutieren könne. „Durch politische Aktivitäten“, sagt Tromp, sei Radermacher ihm „nicht aufgefallen“. Die Stärke des Bäderbetriebemitarbeiters liegt „im vorpolitischen Raum“, wie Tromp sagt – vor allem in der Organisation des Karnevalszuges über die Linden. Dirk Lamprecht, zu dessen Ortsverein Radermacher gehört, war über die eruptive Anwartschaft erstaunt, als der Kandidat ihn am Sonntagabend informierte. Lamprecht sagte, er habe Radermachers Vorhaben „gelinde gesagt für einen schlechten Scherz gehalten“. Ähnlich denken wohl Kollegen bei den Bäderbetrieben, wo man auch daran erinnert, dass Radermacher einen Job zu machen habe und die Politik seine „Privatsache“ sei. Das alles war ein bisschen viel für den dritten Mann. Am Montagmorgen habe er einen Kreislaufkollaps erlitten, sagt ein Bäderbetriebskollege. Nachmittags zog er die Kandidatur zurück. wvb

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