Mangelhafter Notdienst in Berlin : In Kinderkliniken droht wieder Weihnachts-Chaos

In Berlin droht eine Wiederholung der chaotischen Zustände in den Rettungsstellen der Kinderkliniken, wo es im Vorjahr zu Wartezeiten von bis zu elf Stunden kam. Die Kassenärztliche Vereinigung gibt den Schwarzen Peter zum Teil an die Krankenhäuser zurück

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Immer auf die Kleinen: DIe Zustände in den Berliner Kinderkliniken könnten über die Feiertage erneut Chaotisch werden.
Immer auf die Kleinen: DIe Zustände in den Berliner Kinderkliniken könnten über die Feiertage erneut Chaotisch werden.Foto: dpa

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat am Mittwoch bestätigt, dass es auch in diesem Jahr während der kommenden Feiertage keinen erweiterten Notdienst für Kinder und Jugendliche geben wird. Damit droht in Berlin eine Wiederholung der chaotischen Zustände in den Rettungsstellen der Kinderkliniken, wo es im Vorjahr zu Wartezeiten von bis zu elf Stunden kam.

Nachdem der Tagesspiegel von einem Brandbrief der Chefärzte der neun Berliner Kinderkliniken berichtet hatte, veröffentlichte die KV als Stellungnahme ein Antwortschreiben ihrer Vorstandsvorsitzenden Angelika Prehn. Diese gibt den Schwarzen Peter zum Teil an die Krankenhäuser zurück. „Zum Bedauern des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin konnten die Gespräche über eine Verbesserung der pädiatrischen Notfallversorgung in Berlin, insbesondere auch wegen der verzögerten Reaktion der Berliner Kinderkliniken, nicht rechtzeitig abgeschlossen werden“, heißt es dort. Prehn gibt sich in dem Schreiben „zuversichtlich, dass die bisherigen Kooperationsvereinbarungen unter der Moderation von Herrn Gesundheitssenator Mario Czaja im neuen Kalenderjahr weiterentwickelt und zu einer verbesserten pädiatrischen Notfallversorgung beitragen können.“

In einer gemeinsamen Erklärung betonten Senator Czaja und die KV am Mittwochabend, dass an den zwei Werktagen zwischen den Weihnachtsfeiertagen und Silvestern immerhin etwa ein Drittel der Kinderarztpraxen geöffnet habe. Für die restliche Zeit wird auf die Kinderrettungsstellen in Lichtenberg, Charlottenburg, Tempelhof und Wedding verwiesen, die von der KV nach eigenen Angaben „über die gesetzlichen Anforderungen hinaus“ durch Kooperationsvereinbarungen mit den jeweiligen Kliniken durch KV-Ärzte betrieben werden. Diese wiederum sind nur Heiligabend, Silvester und an den Feiertagen zeitlich begrenzt geöffnet und hatten vor Jahresfrist, als mehr als 10 000 kleine Patienten mit ihren Eltern die Notaufnahmen der neun Kinderkliniken aufsuchten, das Chaos nicht mildern können.

Insbesondere nach 22 Uhr seien die Kliniken auf sich allein gestellt, klagte Frank Jochum, Landessprecher des Verbandes Leitender Kinder- und Jugendärzte und Chefarzt der Kinderklinik des Spandauer Waldkrankenhauses. Laut Senator Czaja wird die Senatsverwaltung die Gespräche zwischen KV und Kliniken hinsichtlich einer Verbesserung des Angebotes weiter begleiten. Hier müssten auch die unterschiedlichen Vergütungen berücksichtigt werden. Wie es heißt, erhalten die Kliniken nur 17 Euro pro Patient, die niedergelassenen Ärzte rund den dreifachen Betrag.

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