Berlin : Mann der ersten Stunde

Manfred Dannenberger, der Sohn des Tagesspiegel-Gründers, ist im Alter von 80 Jahren gestorben

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Sein Kürzel war a. Kürzer ging es wirklich nicht. Er liebte Abkürzungen. War etwas in Ordnung, sagte er nicht okay, sondern oka-ypsilon. In einer Selbstdarstellung der Redaktion schrieb er im Mai 1958: „Zufällig beginnt mein Name mit demselben Buchstaben wie mein gegenwärtiges Arbeitsgebiet: ,Demokratisches Forum’“. Manfred Dannenberger, am 24. August 1923 in Essen geboren, war ein Mann der ersten Stunde in der Tagesspiegel-Redaktion. Als er mit einer Verwundung aus dem Krieg zurückkehrte, trat er 1946 in die Redaktion des Tagesspiegels ein, den sein Vater Erik Reger zusammen mit Walther Karsch und Edwin Redslob 1945 gegründet hatte. Manfred Dannenberger tat sich als politischer Kommentator hervor, berichtete aus dem Bundestag und rezensierte politische Literatur. Von Anfang an widmete er sich den Fragen der Kirche und des Glaubens in einer Zeit, in der eine Neuorientierung nach den Schrecken der NS-Zeit auf der Tagesordnung stand.

Seit Dezember 1953 stand er im Impressum als Verantwortlicher Redakteur für „Kirchenfragen und Demokratisches Forum“, eine Funktion, die er 30 Jahre ausübte. Ganz im Sinne seines Vaters verstand er das „Demokratische Forum“ nicht nur als eine reine Leserbriefseite. „Was täglich hier einläuft und veröffentlicht wird, ist auch nicht nur interessanter Lesestoff – es ist der Ausdruck eines ernsthaften Bemühens, sich an der Diskussion des öffentlichen Geschehens, vor allem des Geschehens in unseren öffentlichen Einrichtungen, zu beteiligen, nicht nur Meinungen zu äußern, sondern auch Anregungen zu geben“, schrieb er 1958.

Drei Jahrzehnte lang hat Manfred Dannenberger den Dialog mit den Lesern gepflegt und dadurch das „Demokratische Forum“ zu einer Institution gemacht. Aus gesundheitlichen Gründen ist er 1983 aus der Redaktion ausgeschieden. Was mit seinem Tagesspiegel geschah, hat er aufmerksam verfolgt, regelmäßig Kontakt gehalten und jüngeren Kollegen Anerkennung gezollt. Er hatte einen knorrigen Humor, war von offener Herzlichkeit und ein leidenschaftlicher Freizeitkapitän, der sich auch schon einmal über das Fahrverbot für Motorboote auf dem Wannsee aufregen konnte.

Manfred Dannenberger ist am 2. April nach kurzer, schwerer Krankheit in Berlin im Alter von 80 Jahren gestorben. R.B.

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