Berlin : Mann erstach seine frühere Ehefrau

Nach der Bluttat an einer Reinickendorfer Kreuzung ließ sich 26-jähriger Türke widerstandslos festnehmen

-

Offenbar im Streit um das Sorgerecht für die gemeinsame drei Jahre alte Tochter hat am Donnerstag der 26jährige Czengiz U. seine 21 Jahre alte frühere Ehefrau Semra ermordet – vor den Augen des Kindes. Auf der Kreuzung Auguste-Viktoria-Allee/Ecke Eichborndamm in Reinickendorf stach der Mann immer wieder mit einem Jagdmesser auf das Opfer ein. Dann ließ er sich widerstandslos festnehmen.

Ein großer weißer Fleck, mit dem das Blut abgedeckt wurde, ist ein letzter Hinweis auf den Mord, der sich wenige Stunden zuvor hier abgespielt hat. Der grüne Transporter mit der Aufschrift „Gerichtsmedizin“ hat die Leiche der 21-jährigen Türkin kurz zuvor weggebracht. Neugierige Schüler aus der nur etwa 100 Meter entfernten Max-Beckmann-Gesamtschule betrachten geschockt die Spuren der Bluttat. Was sich genau ereignet hat, das weiß zu diesem Zeitpunkt angeblich nicht einmal die Polizei: „Eine Frau ist durch Stiche getötet worden“, sagte Staatsanwalt Ralph Knispel. Begleitet wurde sie von ihrer Tochter und einer Freundin. Plötzlich fiel ihr geschiedener Mann über sie her, stach vor den Augen des Kindes und der geschockten Freundin auf die 21-Jährige ein. Ein zufällig den stark befahrenen Eichborndamm entlangkommender Rettungswagen stoppte. Die Besatzung versuchte der auf dem Boden liegenden, blutenden Frau zu helfen. Vergeblich. Alle Wiederbelebungsversuche waren umsonst.

Der Täter blieb am Tatort und unternahm offenbar auch keinen Fluchtversuch. Von der wenig später eintreffenden Polizei ließ er sich festnehmen. Eine Angestellte eines Mexikanischen Restaurants, das dem Tatort gegenüber liegt, eilte ebenfalls zu Hilfe. Sie kümmerte sich um das Kind und die Freundin des Opfers, die noch immer nicht fassen können, was sich wenige Minuten zuvor ereignet hat. Kurze Zeit darauf bringt die Kriminalpolizei die beiden Zeugen weg.

In der Nachbarschaft haben nur wenige etwas von der Tat bemerkt. Im Bistro „Tom & Jerry“, ebenfalls nur wenige Meter vom Tatort entfernt gelegen, berichtet der Wirt, er habe lediglich von Gästen gehört, dass jemand angeblich „Mörder“ geschrien habe. Das Opfer soll telefoniert haben. Gesehen hat der Bistro-Wirt das allerdings nicht. „Es ist möglich, dass sie telefoniert hat“, sagte André Rauhut von der Mordkommission. Semra U. wurde unmittelbar vor einer Telefonzelle getötet, der Hörer hing herab, als die Polizei eintraf. Ob sie Hilfe gegen ihren geschiedenen Mann herbeirufen wollte? Keiner weiß es bisher. Wegen Gewalttaten ist der 26-Jährige nicht aufgefallen; wegen Betrügs ist er dagegen polizeibekannt. Die Kripo versucht nun zu klären, ob der Mann seine Frau in der Vergangenheit bedroht hatte.

Vor gut einem Monat tötete in Prenzlauer Berg ein 28-jähriger Türke seine vier Jahre jüngere Frau. Auch er stach vor den Augen seines Kindes auf dessen Mutter ein und verletzte sie tödlich. Die Frau und ihr Mann hatten sich zufällig in einem Döner-Imbiss getroffen. Auch diese Frau hatte sich von ihrem Mann getrennt. Der Grund: Er hatte sie geschlagen.weso

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben