Berlin : Mann gegen Mann

Im Matrix in Friedrichshain trafen sich Hartgesottene zum Fight Club

Guido Schirmeyer

Das Entree wirkt fast wie aus dem „Fight Club“-Original. Filmreif: Es ist nasskalt unter der Warschauer Brücke. Vor der Tür der „discoteque matrix“ herrscht dichtes Gedränge. Silbern blitzen die Radkappen eines auberginefarben lackierten Zuhälterschlittens; aus einem Polizeimannschaftswagen observiert die Mannschaft das Geschehen vor dem Clubtor. Zwei stämmige Türsteher in schwarzen Wollmänteln schotten den Eingangsbereich ab. Hin und wieder dürfen Auserwählte, die auf der Gästeliste stehen, über die Kordelabsperrung hüpfen. Die Masse Männer wird in kleinen Portionen durchgelassen, das macht die Sache wichtiger. Im Foyer Taschenkontrolle. Kein Film, kein Foto, keine Waffen. Seit Wochen ist der zweite in Berlin stattfindende „Fight Club“ mit 500 Tickets ausverkauft. Der gleichnamige Film mit Brad Pitt und Edward Norton dient als Vorbild.

„Drinnen wird’s im Publikum brodeln“, hatte André, ein Berliner Kampfsportler, vorher gesagt. Beim ersten Fight Club im Frühjahr sah er das Blut nur so spritzen. „Je krasser verletzt wird, desto mehr Applaus gibt’s“, sei die Devise. „Da schlagen Typen auf ihre Gegner ein, auch wenn die schon längst am Boden liegen.“ Das wiederholt sich diesmal nicht. Das Publikum aus Stiernacken, Glatzen, Türsteher- und Rotlicht-Typen in ihren Khaki-Militaria-Monturen verursacht zwar ein gewisses Unbehagen – doch um sein Leben muss man bei diesem Fight Club nicht fürchten. Die Gleichgesinnten benehmen sich höflich untereinander. Die Kickbox- und Freefight-Kämpfe sind meist nach Sekunden entschieden. Zwar prügeln die Kämpfer heftig aufeinander ein, aber es bleibt zumeist unblutig. „Wenn du mit dem Spann voll eins an den Hals kriegst, hältst du das nur gedopt aus“, sagt André. In den Pausen zwischen den Kämpfen bieten gelangweilte Gogo-Tänzerinnen den Geprügelten nur schwachen Trost. Guido Schirmeyer

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