Berlin : Mann stürmt Reichstag: Autofahrer rammte Findling zum zweiten Mal

bw

Derselbe Mann, der in der vergangenen Woche mit seinem Auto bis vor die Eingangstür des Reichstags gefahren ist und zur friedlichen Umkehr bewegt werden konnte, hat gestern mit demselben Wagen erneut versucht, zum Reichstag vorzudringen. Er prallte dabei am Ostportal gegen einen 1,9 Tonnen schweren Findling und verschob diesen um zwei Meter. Der 34-jährige gehbehinderte Mann wollte nach Polizeiangaben einen Brief übergeben und gegen die Feldsteine an beiden Auffahrten des Ostportals protestieren. Diese diskrimieren seiner Meinung nach Behinderte. Noch in seinem Wagen sitzend wurde der aus dem Westfälischen stammende Mann vom Sicherheitsdienst des Bundestages festgenommen.

Am gestrigen Morgen um 7.29 Uhr hatte der Mann den Findling an der nordöstlichen Auffahrt zum östlichen Eingangstor des Reichstages mit seinem grünen Golf Kombi gerammt und den tonnenschweren Wackerstein um mehrere Meter verschoben. Auf dem nach dem Zusammenstoß schwer beschädigten Fahrzeug befand sich die mit Sprühfarbe geschriebene Parole "Weg mit den Steinen". Der gehbehinderte Täter habe geglaubt, dass die zur Sicherheit an den Auffahrten aufgestellten Feldsteine ausschließlich wegen seines ersten Erscheinens am Osttor des Bundestages in der vergangenen Woche dahin gelegt worden seien, erklärte eine Sprecherin des Deutschen Bundestages.

Der Täter war am 19. September schon einmal an gleicher Stelle aufgefallen, als er in den frühen Morgenstunden mit seinem Wagen die Rampe am Osttor heraufgefahren war und an der Eingangstür verlangt hatte, mit dem Bundestagspräsidenten zu sprechen. Erst nach längeren Verhandlungen erklärte sich der Mann bereit, den Eingangsbereich wieder zu verlassen.

Am Nachmittag des 19. September ließ die Verwaltung des Bundestages zwei Findlinge an den Auffahrten aufstellen - als Reaktion auf die Amokfahrt eines 22-Jährigen, der am 18. September mit seinem Wagen versucht hatte, die Glasfront am Osttor zu durchbrechen. Der Westfale habe aber gedacht, dass die Sicherheitsbarrieren wegen ihm veranlasst worden seien und sich als Behinderter diskriminiert gefühlt, erklärte ein Sprecher der Polizei. Nach seiner Festnahme wurde der Täter der Staatsanwaltschaft übergeben, die im Moment wegen des Vorwurfs des Hausfriedensbruchs ermittelt. Nach den Vernehmungen, die im Beisein eines Psychologen durchgeführt werden, wird weiter über die Zukunft des Mannes entschieden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

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