Berlin : Mann stürmt Reichstag: Obelix, hilf!

Andreas Conrad

Mit der unaufhaltsamen Etablierung der Berliner Republik wird in deren zentralem Ort, Berlin eben, unvermeidlich alles größer. "Think big", heißt auch hier das Gebot der Stunde, und wie "big" wir bereits sind, zeigt sich bildkräftig im Vergleich alter und neuer Technik, den unerwünschten Zugang zu einem Gebäude zu verhindern. Vor der Neuen Nationalgalerie hatte man noch vor wenigen Jahren damit begonnen, Split auf die Terrasse zu streuen. Skateboard- und Rollschuh-Enthusiasten sollten davor bewahrt werden, im Überschwang der Leidenschaft durch die Glasfassaden zu schmettern. Jetzt geht es um den Reichstag, aus den Skateboards sind Autos geworden und aus den Kieseln Wackersteine. Noch ist es für Trendforscher zu früh, die Vorfälle der letzten Tage zum neuen Volkssport - "Reichstag rammen" - zu erklären, aber nachdem einer der Findlinge gestern schon bedrohlich wackelte, scheint doch empfehlenswert, Obelix vorsichtshalber um einige Hinkelsteine zu bitten. Die fehlerbehaftete Technik versenkbarer Poller sollte man lieber nicht in Betrieb nehmen, besonders Verteidigungsminister Rudolf Scharping wird nach seiner Pentagon-Erfahrung dafür dankbar sein. Auch ist zu überlegen, ob das gute alte Deutschlandlied als Nationalhymne der Berliner Republik noch taugt. Wir schlagen statt dessen eine schon vor Generationen vom Volksmund ersonnene Variante zu einem Marsch aus Franz von Suppés Operette "Fatinitza" vor: "Du bist verrückt, mein Kind, du musst nach Berlin, / Wo die Verrückten sind, da jehörste hin."

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