Marathon : Schnelle Schritte durch Mitte
01.10.2012 00:00 Uhr"Guck mal Mama, der schummelt"
Einsteigen, bitte. Zwischen zehn und zwölf Uhr ist die Strecke kaum überquerbar, so dicht schieben sich die 40 987 Läufer über die Straße. Bleiben nur S- und U-Bahn. „Renn’, Norbert“, brüllt eine Frau und meint damit nicht etwa einen der Läufer. Ihr Mann soll sich endlich in Richtung U-Bahn bequemen, damit sie es rechtzeitig zum nächsten Anfeuerpunkt schaffen. „Wir wollen unsere Tochter mindestens dreimal sehen“, sagt sie.
Mogel-Marathon. „Guck mal, der schummelt“, flüstert ein Mädchen und zeigt auf einen Mann, der in der Tür der S-Bahn in Richtung Brandenburger Tor steht. Ihm läuft der Schweiß das Gesicht hinunter. Seine Startnummer verrät ihn, die anderen Fahrgäste tuscheln, starren ihn an. Ulf Glänzer grinst: „Klar, ich steige bei Kilometer 20 ein und mogele mich später wieder rein“, sagt er und hustet. Nein, das war ein Witz. Der 39-Jährige hat aufgegeben. „Ich war die ganze Woche krank, die Bronchien“, sagt er. Ihm fehlte die Energie auf der Strecke. „Ich hatte es geahnt.“ Als er aussteigt, schauen alle hinterher. Der wird doch nicht etwa ...
Promi-Parade. Til Schweiger, Robert Harting – wer genau aufpasst, kann so manchen Promi in Sportkleidung sichten. Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) mischt sich unter die Laufenden. Der 35-Jährige erreicht das Ziel nach 4:08:14 Stunden.
Letzte Hilfe. Lars Brechtel ist zufrieden. Als um 16 Uhr auch der letzte Sportler im Ziel eintrifft, kann der Sportmedizinische Leiter sich über einen „sehr ruhigen Tag“ freuen. In einer ersten, vorläufigen Einschätzung sagt Brechtel: „Wir mussten nur etwa halb so oft helfen wie in den vergangenen Jahren.“ Erste Zahlen gehen von 580 Hilfeleistungen aus, davon 475 im Zielbereich. Dabei habe es sich überwiegend um muskuläre Beschwerden und Dehydrierung gehandelt. 38 Marathonteilnehmer wurden ins Krankenhaus gebracht. „Von schwerwiegenden Fällen wissen wir derzeit nichts.“

















