Marco W. : "Sie empfingen ihn wie einen König"

Die Freilassung von Marco W. aus türkischer Untersuchungshaft und seine Rückkehr nach Deutschland sind zu einem Medienereignis ersten Ranges geworden. Wie berichten türkische Zeitungen darüber?

Suzan Gülfirat

Eine Frage beschäftigt derzeit deutsche und türkische Medien gleichermaßen.Was hat der Reiseunternehmer und Politiker Vural Öger (SPD) mit der Freilassung von Marco W. zu tun? „Öger ging hin und Marco kam frei“, behauptete die Hürriyet am gestrigen Sonntag. Eine Aussage des deutsch-türkischen Unternehmers, die diese Behauptung noch mehr erhärten könnte, als bisher bekannt ist, lieferte auch die Hürriyet nicht.

Zum Teil übernahmen die türkischen Medien in Deutschland die Nachrichten aus ihren Zentralen aus der Türkei, aber auch die hier ansässigen Korrespondenten der türkischen Medien berichteten. Beispielsweise betrachtete die Milliyet am gestrigen Sonntag einen Text darüber, wie die deutschen Medien die Freilassung von Marco W. verarbeitet haben. „Er flog mit einem Privatjet nach Hause“, titelte die Zeitung. „Er flog mit einem Privatjet, den der deutsche Privatsender RTL gechartert hat“, hieß es in der Unterzeile. Am Wochenende wurde auch bekannt, dass der Kölner Privatsender den 17-Jährigen längst unter Vertrag genommen hat. Am Sonntag kündigte RTL schließlich für den Abend die Ausstrahlung des ersten Exklusiv-Interviews mit dem 17-Jährigen hier in Deutschland an. Allerdings durfte die Bild in dem Flieger mitfliegen und auch der NDR sprach mit dem Jungen, weshalb in sämtlichen ARD-Programmen ein kurzes Gespräch mit Marco W. lief. „In den deutschen Medien war das die erste Nachricht“, schrieb die Milliyet in ihrer Medienübersicht aus Deutschland. Dabei war auf türkischer Seite das Medieninteresse gar nicht so viel geringer. Und auch die Hürriyet beschäftigte sich mit der Berichterstattung in Deutschland. „Die deutschen Medien konnten sich nicht so richtig freuen“, behauptete die Hürriyet in ihrer Presseübersicht, wobei nicht richtig klar wurde, was die Zeitung meint. Vermutlich verrät dieser Satz die türkischen Befindlichkeiten: „Nachdem die deutschen Medien kritisiert hatten, dass die Untersuchungshaft so lange dauert, wundern sie sich jetzt, warum der Junge freigelassen wurde.“ Die Hürriyet zitierte unter dieser Übersicht aus folgenden Printmedien: Bild, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, die Welt, Focus und dem Spiegel. Ein türkischer Fernsehsender, der über Satellit in Deutschland empfangen werden kann, wunderte sich ebenfalls: „Sie empfingen ihn wie einen König“, hieß es in den Europa-Nachrichten dieses Senders. Suzan Gülfirat

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