Berlin : Maria aus Irkutsk lacht wieder

Erfolgreiche Krebs-Operation in Charité – 7000 Kilometer angereist

Aliki Nassoufis

Was hier in Deutschland unvorstellbar erscheint, war für Marias Eltern der einzig mögliche Weg, um das Leben ihrer zehn Monate alten Tochter zu retten: Familie Dronova verpfändete ihre Eigentumswohnung im sibirischen Irkutsk, damit sie der krebskranken Maria die lebensnotwendige Operation in der Berliner Charité ermöglichen konnte. Jetzt ist nicht nur die Chemotherapie des Mädchen erfolgreich beendet worden – das Gesundheitsministerium in Irkutsk hat nachträglich sogar alle Kosten der Behandlung in 7000 Kilometer Entfernung übernommen.

Maria konnte so ihre Chemotherapie vor wenigen Tagen erfolgreich abschließen und wurde bereits aus der Klinik entlassen. Doch nach Hause zu ihrem Vater und ihrer älteren Schwester darf sie noch nicht reisen. Denn sie ist noch zu schwach, und eine Infektion während der Reise könnte lebensgefährlich sein. Deswegen wartet Marias Mutter jetzt in einem Zimmer in der Nähe der Klinik darauf, dass sich Marias Blutbild verbessert und die Ärzte die Reise erlauben. Von Berlin hat Marias Mutter allerdings noch nichts gesehen, außer dem kleinen Supermarkt um die Ecke, wo sie sich ihr Essen kauft. „Jetzt geht es nur um Maria", erklärt sie. „Alles andere ist unwichtig."

Zu Hause in Irkutsk konnten die Ärzte Maria nicht operieren, weil ihnen dazu die technischen Voraussetzungen fehlen. Stattdessen erklärten die Ärzte den Dronovas, dass der faustgroße und rasend schnell wachsende Lebertumor innerhalb von zehn Tagen operativ entfernt werden müsse. Damit begann ein Rennen gegen die Zeit. Marias Eltern kontaktierten Kliniken in Israel, München, Moskau und Berlin – und bekamen eine Zusage vom Virchow Klinikum der Charité und erfuhren, dass die Operation 15 500 Euro kosten werde.

Für die Dronovas war das eine unglaublich hohe Summe: Die Mutter Marina verdient als Oberärztin einer Klinik gerade mal 90 Euro im Monat. Dennoch bekam sie das Geld mit Hilfe von Freunden zusammen und reiste Anfang November mit Travellerchecks im Wert von 40 000 Euro im Gepäck vom Baikalsee ins fremde Berlin. Hier wurde Maria zwar nach wenigen Tagen tatsächlich erfolgreich operiert. Doch schon bald war ungewiss, ob die notwendige Chemotherapie beendet werden könnte – bis acht Wochen nach Beginn der Behandlung die Zusage aus Irkutsk kam: Das Gesundheitsministerium zahlt die 24 000 Euro teure Therapie.

An der Charité ist der Fall der kleinen Maria eine Ausnahme: Nur etwa ein Prozent der Patienten an den Standorten in Mitte und Wedding kommt für eine stationäre Behandlung aus dem Ausland angereist.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben