Berlin : Marianne Fischer-Kupfer ist tot

Frederik Hanssen

Ihr berühmtester Schüler ist zweifellos Jochen Kowalski: 1981 ermutigte Marianne Fischer-Kupfer den unglücklichen Tenor, es doch mal mit der Falsettstimme zu versuchen. Als Countertenor wurde Kowalski dann tatsächlich weltberühmt. Die ersten wichtigen Karriereschritte ermöglichte ihm dabei der Ehemann seiner Gesangslehrerin, Harry Kupfer, der Kowalski an die Komische Oper holte, zum Star seiner Händel-Inszenierungen machte.

So viel Bedeutendes Harry Kupfer für die Entwicklung der Oper leistete, so wichtig war auch die Rolle von Marianne Fischer-Kupfer für die Gesangspädagogik. Nur spielte sich ihr Wirken eben hinter den Kulissen ab. Wenn sie während der Proben den dunklen Zuschauerraum der Komischen Oper betrat, spürte man sofort ihre Präsenz. Sie hörte aufmerksam zu, sprach ein paar Sätze mit den Solisten – und plötzlich klappte die Szene. Eine Meisterlehrerin mit Ehrfurcht gebietendem, strengem Gesichtsausdruck und sehr hohem Einfühlungsvermögen.

1922 in Chemnitz geboren, machte sie zunächst als Sopranistin Karriere, entschied sich nach der Geburt ihrer Tochter dann aber fürs Unterrichten, kam 1981 mit ihrem Mann an die Komische Oper – und blieb hier bis zuletzt präsent, als „Mutter der Kompanie“, wie sie der frühere Intendant Albert Kost einmal genannt hat, als Förderin und Beraterin mehrerer Berliner Sängergenerationen.

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Marianne Fischer-Kupfer bereits am 8. September im Alter von 86 Jahren in Wandlitz verstorben. Die Beisetzung findet am 26. September auf dem Friedhof Weißensee statt. Frederik Hanssen

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