Mariendorf : 100 Wohnungen droht Sperrung der Heizung

Die meisten Mieter haben ordentlich ihre Nebenkosten bezahlt, trotzdem kündigt der Versorger an, dass die Lieferung der Wärme eingestellt wird. Und warum? Weil der Verwalter Rechnungen nicht bezahlt hat. Es wäre für die Mieter nicht das erste Mal.

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Abgedreht. In Mariendorfs Grüntenstraße 36 bis 60 will der Versorger die Fernwärme abstellen.
Abgedreht. In Mariendorfs Grüntenstraße 36 bis 60 will der Versorger die Fernwärme abstellen.Foto: ddp

Ein Glück, dass es zu warm ist für die Jahreszeit. Auch wenn es die Mieter der rund 100 Wohnungen in der Mariendorfer Grüntenstraße 36 bis 60 wenig trösten wird: Frösteln lässt sie schon der Gedanke, dass es vielleicht wieder so kommt, und die Heizung abgedreht wird. Zuletzt hat die „MVV Enamic GmbH“ die Lieferung der Fernwärme im vergangenen Jahr eingestellt, weil der Verwalter des Hauses nicht alle Rechnungen bezahlt hatte. Treu zahlende Mietern, denen schuldlos Wärme, Wasser oder Strom gesperrt wird, das ist in Berlin keine Seltenheit.
„Zum Glück hat meine Mutter ein Wasserbett“, sagt Janina Trzeciak. Das ist nämlich elektrisch beheizbar. Mutter und Tochter haben ihre Abende dann in Decken eingemummelt auf dem Bett verbracht in dem einzigen Zimmer, das sie mit dem geborgten Heizlüfter der Oma notdürftig beheizen konnten.

"Ein paar hundert Fälle" wie dieser sind dem Mieterverein bekannt

Wärme, Wasser oder Strom gesperrt – „ein paar hundert Fälle“ dieser Art sind beim Mieterverein in den vergangenen Jahren aufgelaufen, sagte dessen Chef Reiner Wild. Wenn der Verein rechtzeitig von der Zahlungsnot des Verwalters erfährt, dann versuche er die Mieter zu einer „Notgemeinschaft“ zu bündeln. Diese könne dann das Geld direkt an den Versorger überweisen und damit eine drohende Sperrung verhindern. Allerdings müssten möglichst alle Mieter mitziehen, was nicht immer gelinge. Im Fall einer Schweizer Immobilienfirma, die in Lichtenberg Wohnungen besitzt, sprang der Bezirk ein und bezahlte zwei Mal überfällige Wasserrechnungen „Bei den Firmen ist meistens nichts zu holen“, so Wild. Außerdem hätte der Bezirk sonst Ersatzwohnungen beschaffen müssen, was noch aufwändiger gewesen wäre.

Der Verwalter spricht von steigenden Preisen und zurückgehaltenen Rechnungen

Die Mieter der Grüntenstraße erfuhren von der drohenden Wärmesperrung durch einen Aushang im Hausflur. „Die gelieferte Wärme wird seit geraumer Zeit durch den Eigentümer nicht vertragsgemäß bezahlt“, steht darauf. Wegen der „erheblichen Außenstände“ werde die Firma „die Wärmelieferung ab 21. Oktober gegen 9 Uhr einstellen“.

Der Verwalter des Gebäudekomplexes Ulrich Löhlein sagte auf Anfrage: „Die Abstellung ist meines Wissens abgewendet“. Die offene Jahresrechnung sei am vergangenen Freitag beglichen worden. Schuld sei ein „Durcheinander bei den Ratenzahlungen durch unterschiedliche Verrechnung“ gewesen. Und deshalb habe er die „Schlussrechnung zurückgehalten“. Dass schon ein Mal, im April des vergangenen Jahres, die Wärmeversorgung dann auch wirklich abgestellt wurde, sei einer „Kostensteigerung des Wärmepreises von über 15 Prozent“ zu schulden gewesen. Diese habe er nicht akzeptieren wollen und deshalb auch nicht bezahlen wollen. „Wir versuchen, die steigenden Preise nicht einfach so hinzunehmen“.
Auch beim Energieversorger hatte sich der Verwalter am Montag gemeldet. Dort will man nun „den tatsächlichen Zahlungseingang überprüfen“ und „selbstverständlich vorerst nicht absperren“. Die Mieter können aufatmen – vorerst jedenfalls.

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