Marienfelde : Erste irakische Flüchtlinge in Berlin

Am Mittwoch ist eine sechsköpfige Flüchtlingsfamilie im Auffanglager in Marienfelde angekommen. Nach der Flucht aus dem Irak hatten sie drei Jahre in Syrien gelebt. Jetzt wollen sie sich in Deutschland einleben - sobald die Behördengänge überstanden ist.

Andrea Nüsse
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Ankunft in Marienfelde. Die Familie von Hamid Najem steigt aus dem Transporter des Deutschen Roten Kreuzes. Foto: ddp

„Torweg 3“ lautet die vorläufige neue Adresse der Familie von Hamid Najem. Der 46-jährige Iraker ist am Mittwoch Abend zusammen mit seiner Frau und den vier Kindern im Alter zwischen sechs und 17 Jahren im Aufnahmelager Marienfelde eingetroffen. Sie sind die ersten der etwa 125 irakischen Flüchtlinge, die von Berlin aufgenommen werden. Üblicherweise kommen die Flüchtlinge zunächst für zwei Wochen ins zentrale Aufnahmelager Friedland in Niedersachsen. Da die 13-jährige Tochter Nour ein Herzproblem hat und ärztliche Betreuung und möglicherweise eine Operation benötigt, brachte das Deutsche Rote Kreuz die Familie aus Bagdad aber sofort vom Flughafen Hannover nach Berlin.

„Ist das irakischer Tee? “ fragt Hamid Najem mit einem Lächeln, als der Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales, Franz Allert, die Familie zum Begrüßungstrunk in den Empfangsraum bittet. Nein, über Deutschland wisse er fast nichts, bekennt der großgewachsene Mann. Er habe erst vor zwei Wochen erfahren, dass Deutschland die Familie aufnehmen werde. Seit ihrer Flucht aus dem Irak vor drei Jahren hatte die sunnitische Familie in Damaskus in Syrien gelebt.

Während die sechsjährige Sara munter die Küche in der neuen Wohnung inspiziert, stehen die 13- und 11-jährigen Schwestern schüchtern in einer Ecke. Der 17-jährige Bruder Duraid folgt dem Vater bei der Führung durch das neue Heim. Begleitet von Vertretern des Irakischen Kulturvereins gehen am Donnerstag die Behördengänge los: polizeiliche Anmeldung und Termin bei der Krankenkasse. Einen Wunsch äußert die Familie dann doch – einen Telefonanschluss, um bei den Verwandten in Bagdad Bescheid zu geben, dass man wohlbehalten in Deutschland angekommen sei. 

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