Berlin : Mario vs. Mutter

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Von David Ensikat

LkwFahrer heißen meistens Mario. Das steht auf dem Schild, das sie hinter ihrer Windschutzscheibe mit sich herumfahren. Manchmal heißen sie auch Torsten, niemals aber Rainer-Maria oder Niklas.

Darum soll’s aber gar nicht gehen (obwohl das mit der Mario-Häufung unter Lkw-Fahrer schon bemerkenswert ist). Wir wollen hier eine Langzeitstudie anregen: Was geschieht mit kleinen Kindern, die allmorgendlich erleben müssen, wie ihren Müttern Fürchterliches widerfährt?

In der kleinen Greifenhagener Straße in Prenzlauer Berg gibt es nicht nur viele große Lkws, sondern auch eine Schule, zu der viele Mütter ihre Kinder mit dem Auto bringen. Morgens um acht staut sich’s, die Mutter-Autos stehen im Weg, die Mario-Laster auch, und die Marios mit den dicken Armen brüllen die Mütter mit den dünnen Nerven an: „Na Püppi, wat soll nu’ wer’n?“ Daraufhin zerren die Mütter panisch am Ganghebel, lassen die Kupplung schnippsen, die Autos hüpfen ein wenig, die Getriebe geben Lang-mach-ich- das-nicht-mehr-mit-Geräusche von sich, den Müttern steht der Schweiß auf der Stirn, die Marios brüllen etwas unangemessen: „Mann, Mann, Mann!“

Und die Kinder? Was geschieht mit den Kindern, die das tagtäglich erleben müssen? Werden sie rechtsradikal? Würden die Jungs lieber Mario heißen als Maximilian? Wollen die Mädchen keine Frauen mehr werden? Man sollte das im Blick behalten. Und ob die Lkw-Fahrer in zehn Jahren immer noch Mario heißen, möchte man doch auch wissen.

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