• Markante Gaststätte weicht 110-Millionen-Gebäude - Investor zahlt für archäologische Arbeiten

Berlin : Markante Gaststätte weicht 110-Millionen-Gebäude - Investor zahlt für archäologische Arbeiten

wik

Das Schicksal der Gaststätte "Ahornblatt" auf der Fischerinsel ist entschieden: Das stadtbekannte Gebäude mit dem sternförmigen Dach wird nach jahrelangem Streit im kommenden Jahr abgerissen. Es muss einem neunstöckigen Gebäude weichen. Gestern unterschrieben Baustadtrat Thomas Flierl (PDS) und der Geschäftsführer des Investors OMG, Klaus Müller, einen entsprechenden Vertrag.

Das Ahornblatt an der Gertraudenstraße war lange Zeit Mittelpunkt eines erbitterten Streits, der Flierls Vorgängerin Karin Baumert (PDS) den Job kostete. Baumert hatte nahe dem Ahornblatt, ehemals Kantine des DDR-Bauministeriums und beliebter Veranstaltungsort, ein 17-stöckiges Hochhaus genehmigt. Damit wollte sie nicht nur das denkmalgeschützte Ahornblatt retten, sondern auch das Planwerk Innenstadt von Senator Peter Strieder (SPD) durchkreuzen. Bevor Baumert unter Führung ihrer eigenen Partei geschasst wurde, erteilte sie dem Investor einen so genannten Bauvorbescheid - damit musste Nachfolger Flierl an der Stelle eine Bebauung zulassen, wollte er nicht Regressforderungen des Bauherrn riskieren. Mit der Unterschrift unter den Vertrag, stimmte Flierl jetzt dem Projekt zu, wenn auch zähneknirschend. Gerne hätte er nur einen Teil des Areals verkauft, um das Ahornblatt zu erhalten. Das sei ein bedeutendes Zeugnis der Nachkriegsarchitektur, so Flierl. Allein der Verwertungsdruck des Landes sei zu groß geworden. "Eigentlich haben hier die Finanzpolitiker bestimmt", klagte Thomas Flierl. Dennoch konnte der Bezirk dem Investor OMG einige Zugeständnisse abhandeln. So wird nicht wie ursprünglich geplant ein reines Bürohaus gebaut, sondern in dem Gebäude werden auch ein Hotel, Wohnungen sowie Geschäfte untergebracht. Anstatt des Nebengebäudes des Ahornblattes und eines Supermarktes, die ebenfalls abgerissen werden, entsteht eine rund 4000 Quadratmeter große Grünanlage, die an weitere Freiflächen der Fischerinsel anschließt. Außerdem zahlt OMG rund eine Million Mark für die vorausgehenden archäologischen Arbeiten - die Fischerinsel ist Teil des alten Kerns der Doppelstadt Cölln/Berlin -, für eine Dokumentation über das Ahornblatt sowie für eine Ampelanlage, da auch ein Fußgängertunnel langfristig dem Projekt weichen muss. Trotz dieser Zugeständnisse zeigt sich OMG-Geschäftsführer Müller froh über die "Kompromisslösung". Seinen Angaben zufolge soll mit den Hochbauten für das 110 Millionen Mark teure Projekt Ende 2000 begonnen werden. Die Investoren rechnen mit 18 Monaten Bauzeit. Zum Preis für das Grundstück machte Müller keine Angaben.

Thomas Flierl hofft mit der Zustimmung zu dem Projekt auch politisch etwas bewegen zu können. Der Bezirk habe sich kompromissbereit gezeigt, sagte der Dezernent. Jetzt erwarte Mitte den Verzicht von Strieder auf den Bau teurer Eigentumswohnungen auf der Ostseite der Fischerinsel. Das sei "gebauter Klassenkampf" und ein Affront gegen die Bewohner der Fischerinsel. Der Bebauungsplan, an dem Mitte arbeitet, sieht diese Wohnungen jedenfalls nicht vor. Auf der Fischerinsel bleibt es spannend.

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