Markgrafendamm : Brennende Wagenburg in Friedrichshain

Seit sieben Jahren ist ein Gewerbehof am Markgrafendamm ein Ort zum Rückzug aus dem hektischen Stadtleben. Nun hat ein Ölofen drei Bauwagen in Brand gesetzt – verletzt wurde niemand.

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Verbrannt. Von den Bauwagen und dem Wohnwagen am Markgrafendamm ist nicht mehr viel übrig.
Verbrannt. Von den Bauwagen und dem Wohnwagen am Markgrafendamm ist nicht mehr viel übrig.Foto: Steffen Tzscheuschner

Der bunte Gewerbehof mit den Bauwagen und Werkstätten ist aus Julia Lucas’ Leben nicht mehr wegzudenken. Seit sieben Jahren ist das Gelände am Markgrafendamm 14 in Friedrichshain für sie ein Ort zum Rückzug aus dem hektischen Stadtleben. Dort trifft sie Freunde, über die Jahre sind sie zu einer festen Gemeinschaft zusammengewachsen. Gerade war sie dabei, ihren kleinen, weißen Wohnwagen auszubauen, ein neues Bett und eine Sitzecke sollten dazukommen. Bis ein Feuer die Pläne zunichte machte. Am späten Donnerstagabend brannten Lucas’ Wohnwagen und zwei benachbarte Bauwagen völlig aus, weil der Ölofen des Nachbarn Feuer fing. Verletzt wurde niemand.

Lucas, 31 und Herstellerin von Alarmanlagen, hatte Glück: Als das Feuer gegen 21.30 Uhr ausbrach, war sie in ihrem Wohnmobil, das ein paar Meter weiter steht. In dem hätten sich wegen des Umbaus auch alle wertvollen Dinge befunden. Ihr Nachbar, der die beiden ausgebrannten Bauwagen als Zweitwohnsitz bewohnte und das Feuer gerade noch rechtzeitig entdeckte, habe „gar nichts mehr bis auf sein Hemd und die Jeans“. Die einst grünen Blechwände sind zerstört, der Holzrost des Bettes verbrannt, der Computer verkohlt. Laut Polizei ist der 47-jährige Nachbar selbst schuld an dem Unglück: Funken aus dem Ölofen hätten ausgetropftes Öl in Brand gesetzt. Gegen den Mann werde nun wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt.

Das 6000 Quadratmeter große Geländen neben den Bahnschienen mietete 1992 der gemeinnützige Verein „Fips“ von der Treuhand. Seit 1996 gehört die Fläche dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und wird zur gewerblichen Nutzung vermietet, wie es aus dem Bezirksamt heißt. „Fips“ gibt es nicht mehr, sagt Lucas, die Aussteiger, Bastler und Gewerbetreibenden organisieren sich seit zwei Jahren als namenlose Interessengemeinschaft. Auf dem Gelände stehen Wohn- und Bauwagen, in Hallen sind Werkstätten und Firmen. Reinhard Felsmann baut direkt gegenüber den ausgebrannten Wagen Lautsprecherboxen. Den Brand hat er erst am Morgen danach mitbekommen. „Zum Glück ist meine Hütte nicht abgebrannt“, sagt er erleichtert.

Ein klassischer Wagenplatz wie der nach Neukölln umgesiedelte „Schwarze Kanal“ oder die „Lohmühle“ am Landwehrkanal in Alt-Treptow ist der Gewerbehof nicht. Die Mieter leben dort nicht dauerhaft, sagt Lucas, gerade im Winter bleiben nachts nur wenige. Auch sie zieht es dann in ihre warme Wohnung in der Köpenicker Straße. Einige ihrer Freunde seien vor dem Winter mit umgebauten Lastwagen ans Mittelmeer geflohen.

Am Morgen nach dem Brand steht Lucas fassungslos vor den Überresten der Wagen. „Als das Feuer die Gasflasche erreichte, ging es dann ganz schnell“, sagt sie. Wie groß der finanzielle Schaden sei, könne sie nicht abschätzen. Erst müsse sie sich einen Überblick verschaffen und aufräumen. Freunde und Mitarbeiter aus den Werkstätten packen sofort mit an. Einer überlegt gleich, wie er das Metall noch verwerten könne. Bleiben will Lucas auf dem Gewerbehof trotzdem. Sie hat ja noch das Wohnmobil. Und dort, wo der Wagen abgebrannt ist, will sie wieder etwas Neues aufbauen.

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