Berlin : Martha Friederike – mit Spreewasser getauft

Heidemarie Mazuhn

SONNTAGS UM ZEHN

„Die güldene Sonne voller Freud und Wonne.“ So besingt die Gemeinde den verheißungsvoll strahlenden Wintertag. Wer gestern den Gottesdienst in der über 750 Jahre alten Tempelhofer Dorfkirche besuchte, dem bescherte auch ein anderer Sonnenschein Trost und Zuversicht. Martha Friederike hieß das fröhliche Wesen, dass von seiner Mutter auf Geheiß des Pfarrers hochgehoben wurde, damit im gut besetzten Kirchenschiff alle das kleine Mädchen sehen konnten, das gestern die Taufe erhielt und damit Gottes Schutz anvertraut wurde. Vorher hatte Pfarrer Frank Jordan die Kirchenbesucher gebeten, mit ihm zweier Gemeindemitglieder zu gedenken, die Gott im hohen Alter zu sich nahm.

Gott nimmt und Gott gibt – klug verwob der Pfarrer Trauer und Zuversicht. Letztere spendete gestern die kleine Martha den Kirchgängern jeden Alters. Auf zehn Kilo hat sie es in sieben Monaten schon gebracht, wusste der Pfarrer. Dann wurde es noch fröhlicher. Frank Jordan erzählte von Jesu Taufe und wie zu ihm dabei eine Stimme aus dem Himmel spricht – genau an dieser Stelle begann der quicklebendige Täufling am Altar zu krähen. Vielleicht hört man später noch mehr von Martha Friederike – gestern wurde sie mit mitgebrachtem Spreewasser getauft und das aus einem über 100-jährigen Pokal des Ruderclubs Wiking, dem die Familie verbunden ist.

Zuversichtlich stimmte auch die Predigt. Aus dem Lukas-Evangelium trug der Pfarrer das Gleichnis vom Sämann vor, dem erst zum guten Ende die Saat aufging. Wie in unserem Leben – erst am Ende wird abgerechnet und Bilanz gezogen, sagte Jordan. Und auch, warum Jesus so ausführlich am Beispiel des Sämanns das Scheitern schildert. Weil vieles unter uns Menschen nicht aufgeht im Leben, im Ansatz stecken bleibt, vergeblich ist – weil aber auch diese Vergeblichkeit und das Scheitern zum Leben gehören. Je nachdem, wo der Samen hinfällt, geht er auf. Fällt er auf den Weg, kann er zertreten werden. Fällt er auf einen trockenen Felsen, kann er verdorren, und fällt er in eine Dornenhecke, so könnte er ersticken.

So ergehe es auch uns Menschen. „Gott sät seinen Samen auf den Acker der Welt“, sagte Pfarrer Jordan, „dabei knausert er nicht und spart das Widersprüchliche nicht aus.“ Am Ende aber zeige sich, dass die Saat aufgegangen ist, der gute Samen gefruchtet hat, die Mühe eben doch nicht umsonst war. Jordans Predigt endet tröstlich: „Wir sind nicht Unkraut oder Steine – wir sind Samenkörner, die Gott ausstreut und die ihm am Herzen liegen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben