Martin-Gropius-Bau : Möglicher Standort für neues "Filmhaus Berlin" gefunden

Es gibt große Baupläne für die Parkplatzbrache am Martin-Gropius-Bau: ein Filmhaus für die Berlinale und die Kino-Stiftungen.

Sounds and visions. Die ständige Ausstellung des Museums für Film und Fernsehen der Deutschen Kinemathek am Potsdamer Platz.
Sounds and visions. Die ständige Ausstellung des Museums für Film und Fernsehen der Deutschen Kinemathek am Potsdamer Platz.Foto: picture alliance / dpa

Berlin, deine Brachen – unentdeckte Weiten und Potenziale zur Schaffung neuer Kulturwelten: Der spärlich genutzte Parkplatz am Martin-Gropius-Bau gegenüber vom Preußischen Landtag ist das ideale Bauland zur Errichtung des neuen „Filmhauses Berlin“. Auf mehr als 25000 Quadratmeter Nutzfläche könnte hier für – grob gerechnet – 100 Millionen Euro eine Pilgerstätte für Freunde der Kinematografie entstehen, die Berlin traditionell und nicht nur zur Berlinale magisch anlocken. Und diese Pläne der Filminstitutionen der Stadt konkretisieren sich nun.

„Wir wollen mit einem klugem Konzept im Sommer fertig sein“, sagt Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek. Die Einrichtung ist zurzeit noch am Potsdamer Platz untergebracht, der Mietvertrag läuft allerdings 2025 aus. Ebenfalls auf dem Sprung, Dieter Kosslick, Chef der Berlinale, die einen Steinwurf entfernt im Musicalpalast und an der Potsdamer Straße Räume nutzt und gerne in einen Neubau am Martin-Gropius-Bau einziehen würde. Außerdem mit von der Partie: das Institut für Film- und Videokunst Arsenal, die Deutsche Film- und Fernsehakademie, die Visio Kino GmbH und der Verband der Programmkinobetreiber. Sogar das Medienboard Berlin-Brandenburg, Finanzier zahlreicher Filme, könnte dort eine Hauptstadtpräsenz erhalten. Das jedenfalls geht aus einem Antrag der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus hervor, die sich hinter das Vorhaben stellt.

Parzinger begrüßt das Bauvorhaben

Ein Schnellschuss ist das Vorhaben nicht, die Deutsche Kinemathek begab sich bereits vor Jahren auf die Suche nach einem Standort. Die landeseigenen und bundeseigenen Verkaufseinrichtungen für staatliche Grundstücke, Bim und Bima, verfügen aber über keine geeignete Bauten. Im bestehenden Gebäude im Sony-Center wären für eine zukunftsträchtige Präsentation ab 2025 zu aufwendige Umbauten erforderlich. Und so wurde der ehemalige Standort des Völkerkundemuseum wiederentdeckt, das nach dem Krieg auch wegen schwerer Schäden abgerissen worden war.

Eigentümer des Baulands ist die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK). Dessen Chef Hermann Parzinger begrüßte das Vorhaben auf Anfrage: „Eine neues Filmhaus für die Deutsche Kinemathek und die Berlinale neben dem Martin-Gropius-Bau wäre eine Abrundung und zugleich Stärkung dieses Kulturareals. Berlin ist seit jeher eine der großen Städte des Films, ein solches Gebäude an zentraler Stelle würde dieses Potential auch für die Zukunft in besonderer Weise sichtbar machen.“

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Dass Rother für den Standort der Deutschen Kinemathek dringenden Sanierungsbedarf erkennt, lässt sich nachvollziehen: Die Einrichtung wurde in einem Bürohaus untergebracht, das seinerzeit den Museumsanforderungen notdürftig angepasst wurde. Dass sie überhaupt dort untergebracht sind, hatte mit den ganz großen wirtschaftspolitischen Verflechtungen Anfang der 2000er Jahre zu tun: Der Senat wollte den Investoren auf der damaligen Brache wenigstens ein paar tausend Quadratmeter abnehmen und sichere Mieteinnahmen bescheren.

Finanzierung noch nicht ganz geklärt

Aus der Not hat die Deutsche Kinemathek das Beste gemacht: Die Ausstellungen haben im Jahr 2016 rund 90000 Besucher empfangen, hinzu kommen Veranstaltungen und Filmreihen. Die Sonderausstellung über das Werk von „Gangs of New York“-Regisseur Martin Scorsese macht auf ihrer Metropolen-Tour nun sogar in New York halt. Es ist einer der Exportschlager der Ausstellungsmacher. Deren eigene Flächen verteilen sich auf fünf Etagen, was Museums-Besucher schon mal dazu zwingt, einen „Rundgang“ über den Umweg der Treppenhäuser zu begehen. Deshalb die Entscheidung zum Umzug, wenn der Mietvertrag endet.

Dass ein Neubau auf dem Parkplatz des Gropius-Baus erste Wahl ist, liegt auf der Hand: Ein zeitgenössischer Architekt könnte eine neue, dem Film gewidmete Berliner Adresse spektakulär in Szene setzen. Im Verbund mit Berlinale, Deutschen Film– und Fernsehakademie und anderen Kino-affinen Einrichtungen könnten gemeinsame Projekte entstehen oder fortgesetzt werden. Auch die Nachbarschaft zum Gropius-Bau könnte neue gemeinschaftliche Ausstellungsprojekte befördern – Berlin könnte hier gleichsam ein Film-Kulturforum 2.0 schaffen.

Ob das Wünschbare Realität wird, hängt nicht zuletzt von dessen Finanzierbarkeit ab. Großzügig gerechnet müssten die Haushälter des Bundes rund 100 Millionen Euro bereit stellen, Voraussetzung dafür wäre außerdem die Zustimmung der anderen Bundesländer. Die Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters (CDU) findet, es sei „an der Zeit, über neue gute Standorte für Film und Kino nachzudenken, wie über die Idee eines Filmhauses in Berlin, wo sich die großartigen Potentiale des Films in Berlin konzentrieren können“.

Der medienpolitische Sprecher der CDU–Fraktion Christian Goiny: „Wir zahlen jetzt schon rund zehn Millionen Euro Miete im Jahr für die Filmeinrichtungen, die in den Neubau einziehen würden“. Durch die eingesparten Mietkosten würden sich die Investitionen in das Filmhaus amortisieren. Beim Standort sei die CDU nicht festgelegt, dieser müsse aber zentral gelegen sein.

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