Martin Sonneborn und "Die Partei" : Der Spaß ist ihm ernst

16.09.2011 07:32 UhrVon Barbara Nolte
  • Umgeschminkt: „Partei“-Chef Martin Sonneborn vor einem Wahlplakat auf dem Ernst-Reuter-Platz. - Fotos: Thilo Rückeis
  • "Achtung, Achtung! Es folgt Satire," könnte die Ansage von Martin Sonneborn lauten. Denn das, was die NDP kann, kann "Die Partei" von Berufssatiriker schon lange: provozieren. - Foto: dpa
  • "Gas geben!" stand auf einem Plakat, das die rechtsradikale NPD vor das jüdische Museum in Kreuzberg gehangen hatten. Martin Sonneborns "Die Partei" dreht den Spieß um. Unter dem... - Foto: Thilo Rückeis

Wie der Satiriker Martin Sonneborn mit der "Partei" den Berliner Wahlkampf aufgemischt hat. Zuletzt gab er sogar den Obama.

Es ist mühsam, Martin Sonneborn zu interviewen. Ins Café Hackbarth’s in Mitte hat er eine Parteifreundin mitgebracht. „Maike“, sagt er, „du siehst aus. Ich rede.“ Sonneborn hat die Hände hinterm Rücken verschränkt, er wackelt beim Stehen, wippt auf die Zehen. Er wirkt gediegen in dieser seltsamen Chorknabenhaltung. Er ist schwer einzuordnen, weil er einerseits Chefredakteur der „Titanic“ war, dem in der Linken verwurzelten Satiremagazin. Andererseits ist er Außenreporter bei der „heute-show“ von Oliver Welke, der für nichts anderes steht als für Fußballkommentare und mäßige Witze.

„In der ,Partei‘ ist es traditionell so, dass die Männer reden und die Frauen aussehen“, sagt Sonneborn, während sich die beiden setzen.

Als man seine Begleiterin dann doch kurz fragt, seit wann sie dabei sei, antwortet sie: „Es war ein Monat, ein Tag, eine Uhrzeit.“

Das Gespräch fließt zäh, weil nie klar ist, was ernst gemeint ist und was lustig. Wann Sonneborn als Chef der Partei „Die Partei“ spricht, die in Berlin zu den Wahlen antritt, und wann er selbst, der Erfinder der Figur des machtfixierten Politikers. Den spielt er seit sieben Jahren, aber erst in diesem uninspirierten Berliner Wahlkampf hat er ein Kontrastmittel gefunden, um auch jenseits der „Titanic“-Kreise sichtbar zu werden. „Die Partei“ hat beispielsweise die Plakate der NPD überklebt, die vor dem Jüdischen Museum aufgehängt waren. Der Rechten-Chef Udo Voigt war darauf auf einem Motorrad abgebildet, dazu der Slogan „Gas geben“.

Ein Bezirksamt hatte gegen die Plakate geklagt. Doch ein Gericht stufte sie als nicht „volksverhetzend“ ein. „Die Partei“ ersetzte Voigt durch Haider und das Motorrad durch ein Foto des Wracks von Haiders Phaeton, mit dem er sich totfuhr. Der Slogan blieb gleich. Als „Die Partei“ anschließend die Haider-Plakate verkaufte, kauften Mitarbeiter des Jüdischen Museums zwanzig Stück.

Krawallsatire nannte die „Frankfurter Rundschau“ einmal, was Sonneborn macht. Eine Mischung aus Verkleidungstheater, Telefonstreich und versteckter Kamera. Schon bei der „Titanic“, einem Heft mit einer literarischen Humortradition, profilierte er sich nicht als Schreiber, sondern als Aktionist. In den Hochzeiten der Parteispendeaffäre hat er einen Praktikanten bei der CDU anrufen lassen: Er sei von der Credit Suisse, ein weiteres Schwarzgeldkonto sei aufgetaucht. Der Parlamentarische Geschäftsführer und der Bundesgeschäftsführer reisten persönlich nach Luzern. Doch da stand nur Sonneborn. Und ein Fotograf.

Auf der nächsten Seite erfahren Sie, welche Auftritte Sonneborn für öffentlichwirksam hält.

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