Martinstag : Unter den Laternen

Vorsicht, Ohrwurmgefahr: Tausende Kinder machen sich am Wochenende bei den Martinsumzügen auf den Weg, schwenken die Laternen – und singen ihre schönen Lieder.

Saara Wendisch
Das Licht geht aus, wir gehen nach Haus’. In vielen Kitas und Grundschulen wurde munter gebastelt, jetzt können die Werke gezeigt werden. Foto: dpa/Pedersen
Das Licht geht aus, wir gehen nach Haus’. In vielen Kitas und Grundschulen wurde munter gebastelt, jetzt können die Werke gezeigt...Foto: dpa

Die Legende vom Heiligen Martin ist wohlbekannt, aber man hört sie doch stets gern: Als junger Soldat soll der spätere Bischof von Tours am Stadttor von Amiens in Nordfrankreich seinen Mantel entzweigeschnitten und eine Hälfte einem frierenden Bettler gegeben haben. In der darauffolgenden Nacht erschien ihm Jesus im Traum, gekleidet in den halben Mantel. Die barmherzige Tat des römischen Soldaten, die sich im 4. Jahrhundert zugetragen haben soll, wurde zum Sinnbild der Nächstenliebe. Seitdem feiern die Christen jedes Jahr den Heiligen Martin am 11. November, seinem Namenstag, als Schutzpatron der Armen.

Günstig, wenn das endlich mal wieder ein Sonntag ist. Das lässt auf besonders großen Lichterglanz bei den Umzügen, auf übergroßen Andrang bei den flankierenden Veranstaltungen und auch auf besonders vielstimmig gesungene Laternenlieder hoffen, die von „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“ bis zu „Ich gehe mit meine Laterne und meine Laterne mit mir“ reichen.

Wer noch keine hat, dem ist mit Tonkarton, Transparentpapier, Draht und einer leeren Käseschachtel für den Boden schnell geholfen. Doch Kinder in Kitas oder den ersten Grundschulklassen sind in der Regel gut vorbereitet und von Erziehern und Lehrern rechtzeitig in der Kunst des Laternenbaus unterwiesen. Die Ergebnisse konnte man hier und da schon seit Dienstag bewundern, und vereinzelt, so lässt die Evangelische Kirche wissen, laden ihre Gemeinden und Kitas noch bis zum 16. November zu Martinsumzügen und -feiern ein. Aber der Höhepunkt ist nun mal der Sonntag, natürlich am späten Nachmittag oder frühen Abend, damit die vielen bunten Lampions auch richtig zur Geltung kommen.

Für den Berliner Dom hat man sich etwas Besonderes ausgedacht: das Singspiel „Martins Mantel“, aufgeführt vom Mädchenchor der Singakademie und Gruppen des Staats- und Domchors. „Darin geht es nicht darum, die Geschichte eins zu eins nachzuerzählen“, erläutert Domkantor Tobias Brommann. Vielmehr wolle man den Kindern vermitteln, was Nächstenliebe bedeute und wie man teilen könne: „Was braucht man wirklich? Und wie teilt man zum Beispiel mit Afrika?“ Einen Umzug gibt es selbstverständlich auch, der startet um 18 Uhr am Dom und zieht bis zum Gendarmenmarkt, mit dem Heiligen Martin im roten Mantel. „Unser Martin wird dieses Jahr von einer Frau gespielt, von unserer Dombaumeisterin“, sagt Brommann.

Auch der Britzer Garten hat für Sonntag etwas geplant. Hier wird die Geschichte vom Heiligen Martin anhand eines „Märchen-Mitmach-Programms“ erzählt. Kinder der Kiepert-Grundschule in Marienfelde stimmen anschließend mit den bekannten Liedern auf den Umzug ein, kleine singende Helfer des – diesmal berittenen – Martin. „Wer die Liedtexte nicht auswendig kann, darf auch mitsummen“, sagt Marina Goertz vom Britzer Garten. Von den Hügeln im Park lasse sich der „Fluss aus leuchtenden Laternen“ besonders gut betrachten. Bis zu 5000 Menschen werden erwartet, wegen des Sonntages mehr als sonst.

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