Marzahn : Polizist als Sex-Täter vor Gericht

Eine zum Fotostudio umgebaute Abstellkammer: Hier soll ein Beamter von zwei Mädchen jahrelang pornografische Fotos gemacht haben. Den Eltern eines der Opfer wird Beihilfe zum Kindesmissbrauch vorgeworfen.

Kerstin Gehrke

Das Spezialeinsatzkommando (SEK) wurde nach monatelangen Ermittlungen eingeschaltet, um einen Kollegen festzunehmen: Polizeikommissar Valerij M. soll jahrelang zwei Mädchen für pornografische Aufnahmen missbraucht haben. Taten, die laut Anklage von den Eltern eines der Opfer ermöglicht wurden. Um mehr als 80 Fälle geht es, wenn der 52-jährige Kommissar und die Eltern aus Marzahn ab Dienstag vor Gericht stehen.

Die Übergriffe sollen begonnen haben, als die Tochter von Günter K. acht Jahre alt war. Der Vater, ein arbeitsloser Schlosser von 53 Jahren, habe das Kind dem Kommissar zwischen September 2004 und Sommer 2007 immer wieder „zur Verfügung“ gestellt, sind die Ermittler überzeugt. Die 49-jährige Mutter habe das Geschehen geduldet. Mehrfach sei auch eine gleichaltrige Freundin des Mädchens missbraucht worden. In einer Abstellkammer, die wohl zu einer Art Fotostudio mit Bett umgebaut worden war, soll der Kommissar die Kinder in eindeutigen Posen abgelichtet haben.

Der Polizist und der Vater waren langjährige Freunde. Zwei Hobbyfotografen, die sich aus der Nachbarschaft kannten. Als sie vor vier Monaten verhaftet wurden, sollen sie die Vorwürfe bestritten und von „ganz normalen Aufnahmen“ gesprochen haben. Die Kinder hätten eben „herumgetobt“. Die Anklage stützt sich den Angaben zufolge unter anderem auf Fotos, die bei einer Wohnungsdurchsuchung entdeckt worden sind. Ein erster Hinweis im Oktober vergangenen Jahres löste die Ermittlungen aus. Kommissar Valerij M. wurde bereits damals vom Dienst suspendiert. Nun wird er als Hauptangeklagter auf der Anklagebank sitzen. Den Eltern des heute zwölfjährigen Mädchens wird Beihilfe zum Kindesmissbrauch vorgeworfen. In einem Fall allerdings soll Günter K. seine Tochter vor der Kamera des Polizisten sexuell berührt haben.

Als die Vorwürfe im Herbst bekannt wurden, lebten die Eltern bereits getrennt. Die Mutter zeigte sich damals entsetzt über Aufnahmen, die ihre Tochter auf einem Bett mit rosa bezogener Wäsche zeigten. Sie habe nichts davon gewusst, beteuerte die gelernte Altenpflegerin. Als sich die Ermittlungen auch gegen sie richteten, soll sie die Aussage verweigert haben. Für den Prozess sind bislang drei Verhandlungstage terminiert.

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