Berlin : Marzena & Robert

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"Was schaut er immer auf die Uhr", wunderte sich Marzena. Sonst war ihr Freund doch immer so entspannt und aufgeräumt. Sie konnte nicht wissen, was ihr bevorstand. Robert saß wie auf Kohlen. "Hoffentlich kommen die Cocktails schnell genug", dachte er, gleich ist es 21 Uhr, er sah sich zeitlich in Bedrängnis geraten. Als die Cocktails kamen, musste er sich beeilen. "Ich habe dir etwas von der Expo mitgebracht", sagte er ablenkend und zeigte ihr eine Schatulle. Sie machte sie auf und sah den Verlobungsring. Er: "Du weißt, was ich damit sagen will?" Sie: "Ja". Er: "Schön, dass du so schnell Ja gesagt hast."

Dann haben sie sich geküsst. Genau um 21 Uhr, als Marzenas Freundin Marina, mit Robert im Bunde, auf die Minute genau hereinkam und auf den Auslöser ihrer Kamera drückte. Hier in der Newton-Bar waren sie ein halbes Jahr vorher das erste Mal miteinander ausgegangen. "Da war eine Hochzeit noch nicht geplant", sagt Marzena. "Von dir nicht", sagt Robert lachend.

Jetzt sind sie verheiratet. Marzena Wasilewska und Robert Tourneux bewohnen zwei übereinander liegende Stockwerke in der Nähe des Ludwigkirchplatzes. Kennen gelernt haben sie sich bei der Gesellschaft für Steuerrecht, wo sie sich für ihr Steuerberaterexamen vorbereiten. Beide sind 29 Jahre alt.

Sie hat Betriebswirtschaft studiert, er hat seine Ausbildung zum Steuerfachwirt absolviert. Sie arbeitet in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, er bei einer Steuerberatung. Die Arbeit und die abendliche Zusatzausbildung lassen den beiden kaum Zeit zum Ausgehen. Früher haben sie das öfter gemacht. Aber jetzt lernen sie für die Prüfungen. Da blieb bislang auch keine Zeit für einen gemeinsamen Urlaub. Arbeiten tun sie viel, die beiden, und beide sind sie ehrgeizig. Nur einen kleinen Unterschied scheint es zu geben. "Er arbeitet, um zu leben, ich lebe, um zu arbeiten", sagt sie. Er denke mehr an die Gegenwart, sie an die Zukunft. "Wir ergänzen uns wunderbar", sagt Marzena. Was die beiden verbindet? Ähnliche Interessen, gleiche Ziele. Den Genuss am Leben teilen beide, sie kochen und essen gerne gut und trinken mit Vorliebe einen guten Rotwein. Und sie haben eine Familie gegründet. Sie werden ein eigenes Haus bewohnen, die zweite Hälfte eines Doppelhauses mit Blick auf den Tegeler Forst.

In der anderen Hälfte leben seine Eltern. Das ist ein weiteres Element, was beide auszeichnet. Sie pflegen engen Kontakt zu ihren Familien, mit denen sie sehr verbunden sind. Dass das Leben des Paares nicht nur von Ernst geprägt ist, zeigt der Abend vor der Hochzeit: Er vergnügte sich mit Freunden auf dem Motzstraßenfest, der großen Party der Schwulen und Lesben in Berlin. Sie ging mit Freundinnen ins "Ypsilon", ein griechisches Restaurant in Schöneberg, wo am Wochenende der Bär steppt und das überwiegend griechische Publikum auf den Tischen tanzt, während eine Band ohrenbetäubende Musik spielt. Marzena bewältigte Aufgaben, die ihre Freundinnen vorgaben.

Sie musste mit einem Mann auf dem Tisch tanzen, einem anderen Mann die Nägel lackieren und: Sie musste einen Mann rasieren. Vor allen Leuten. Dessen Freundin protestierte, hatte aber keine Chance. Marzena verpasste dem Mann eine Nassrasur.

Was man vor der Hochzeit nicht alles macht.

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