Berlin : Maschinen sind regelmäßig überbucht, aber Änderungen an der Praxis gibt es nicht

Sind Sie schon einmal an einem Freitagnachmittag von Frankfurt (Main) nach Berlin geflogen? Nein? Da haben Sie aber was verpasst. Dann müssen sie belastbare Nerven haben. Dabei ging es nur darum, eine Maschine später zu fliegen.

"Kein Problem", sagt die junge Frau am gelben Counter. Noch über 60 Plätze seien frei. "Sie müssen nicht einmal umbuchen. Mit dem Flexi-Ticket - kein Problem". Prima. Aber eine Service-Nummer, hätte ich schon gerne. Für alle Fälle. Diese, leider, hat die junge Frau nicht. Und der nette Kollege nebenan auch nicht. Etwas Geduld. Sie findet sich dann doch noch. Und dann ein Anruf dort: "60 Plätze?" Von Wegen. "Vielleicht gestern. Aber heute? Heute ist Freitag".

Die Maschinen sind voll. Zumindest erhalte ich Gewissheit, mitfliegen zu können. "Haben Sie Business-Class"? heißt es beim Einchecken. Nein. "Dann bitte zum Gate". Wo ist das gleich? Ich erinnere mich dunkel. B, B, und noch was. Eine freundliche Dame an einem anderen Counter wirbelt mit der Hand in der Luft herum. "In die Richtung". Danke für die präzise Wegbeschreibung. Ich finde B 2. Die Maschine, die mich sicher befördern soll, hat Verspätung. Aus London. Eine Menschenmenge ist versammelt. 40 Minuten oder 50 Minuten vergehen. Ein Bus wird die Fluggäste zu einem anderen Gate befördern.

Auf meiner Check-In-Karte lese ich: Standby. Standby? Auf der Warteliste steht mein Name und die Nummer 17. Damit liege ich ungefähr im oberen Drittel. Eine junge Frau bricht in Tränen aus. Sie hat doch eine feste Buchung. "Wir bringen Sie heute noch nach Berlin", sagt der freundliche Mann am Check-In. Spätestens mit der 20-Uhr-Maschine. Jetzt ist es halb zwei. Seit 20 Minuten sitze ich - theoretisch - schon im Flieger nach Berlin. Der Rat vom Counter: "Sie können doch noch den Zug nehmen". Vielleicht hätte man mir nicht sagen dürfen, dass ich auf alle Fälle einen Platz im Flugzeug zur gewünschten Uhrzeit bekomme. Man ist überbucht. Wie so oft. "Das ist heute noch gar nichts", beschwichtigt eine Kollegin der Counter-Truppe. "Da hätten Sie mal vor einer Woche hier sein sollen". Ob das den Chefs bekannt ist? Sicher, die aber hätten sich noch nie hier am Check-In blicken lassen.

Die junge Frau heult immer noch. Wahrscheinlich sind die übrigen, die warten, darum so mucksmäuschen still. Der ausdauernd freundliche Mann vom Check-In - der Held der Stunde - verhandelt mit dem Piloten. Man ahnt, was vor sich geht. Es gibt ja auch noch die Klappsitze - aber doch nur für das fliegende Personal? Irgendwie klappt es dann doch. Auf der nächsten Maschine. Mit einem ganz normalen Sitzplatz. Glücksache. mo

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben