Maserati-Affäre : Chef der Treberhilfe lässt Amt ruhen

UPDATE Die Affäre um den Luxus-Dienstwagen der Treberhilfe kostet Harald Ehlert die Leitung. Berlins ehemalige Sozialsenatorin Knake-Werner soll einen Aufsichtsratsposten übernehmen.

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Harald Ehlert -Foto: Thilo Rückeis

Der wegen seines Luxus-Dienstwagens bundesweit in die Kritik geratene Chef der Berliner Treberhilfe, Harald Ehlert, hat seine Geschäftsanteile an der Hilfsorganisation abgegeben. Außerdem lässt er seine Arbeit als Geschäftsführer bis zur Klärung aller gegen ihn erhobenen Vorwürfe ruhen, wie das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am Donnerstag mitteilte. Ehlert hatte nicht nur für Empörung gesorgt, weil er als Chef der mit Spenden finanzierten Treberhilfe jahrelang einen Maserati als Dienstwagen fuhr, ihm wird auch ein autoritärer Führungsstil vorgeworfen.

Bereits am Mittwoch hatte sich der Paritätische Wohlfahrtsverband von der Treberhilfe distanziert. In der nächsten Sitzung soll der Ausschluss diskutiert werden, sagte Landesgeschäftsführer Oswald Menninger dem Tagesspiegel: „Wir sehen hier verbandsschädigendes Verhalten als erfüllt an.“ Ein Ausschluss des Vereins sei „zwingend“ erforderlich. Die Entscheidung könne allerdings nur der Vorstand treffen, der Ende März dazu tagt.

Maserati-Affäre gefährdet Ruf von Verbänden

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Abgefahren. Geblitzt wegen überhöhter Geschwindigkeit wurde dieser Maserati, bis vor kurzem Eigentum der Treberhilfe. Weil der...ddp

Der Wohlfahrtsverband fürchtet um den Ruf der ganzen Branche wegen der „Maserati-Affäre“ der Treberhilfe Berlin. Die Affäre verdankt ihren Namen dem Dienstfahrzeug, das der Geschäftsführer Harald Ehlert von der Hilfeeinrichtung anschaffen ließ. Der schwarze Maserati hat einen Listenpreis von 114 000 Euro. Ehlert hatte ihn als Dienstwagen genutzt und sich zum Teil von einem Fahrer chauffieren lassen. Menninger zufolge ist das Fahrzeug nicht angemessen für den Leiter einer Hilfeeinrichtung, weil die Kosten für Anschaffung und Betrieb mit staatlichen Mitteln finanziert würden.

„Wir sind nur Treuhänder und Verwalter von Vermögen der öffentlichen Hand“, sagte Menninger. Die Finanzierung eines Luxusautos verringere den finanziellen Spielraum bei den „satzungsgemäßen Zwecken“, also der Unterstützung von Bedürftigen. „Nur aufgrund der gemeinnützigen Arbeit genießen wir ja das Privileg, keine Steuern zu bezahlen“, so Menninger. Dieses Privileg dürfe nicht dazu missbraucht werden, Geschäftsführern Privilegien zu verschaffen.

Knake-Werner soll in Aufsichtsrat

Hat der Wohlfahrtsverband auch selbst bei der Kontrolle des Mitglieds versagt? Nein, sagt Menninger, denn die Treberhilfe bestehe aus einer gemeinnützigen Gesellschaft und einem Verein. Nur der Verein sei im Wohlfahrtsverband organisiert. Die gemeinnützige Treberhilfe-Gesellschaft sei dagegen dem Diakonischen Werk angeschlossen. Die Aufteilung der Verbandszugehörigkeit habe die Kontrolle erschwert. Es sei nicht ersichtlich gewesen, dass der Treberhilfe-Chef sowohl bei seinem Verein als auch bei seiner gemeinnützigen Gesellschaft die Geschäfte führte oder Verantwortung trug. „Diese Art von Doppelmandat ist unüblich“, sagt Menninger. Dadurch habe sich der Vereinsvorsitzende Ehlert, der zugleich Manager der gemeinnützigen Gesellschaft ist, der üblichen Kontrolle entzogen.

Dagegen will die Diakonie die gemeinnützige Treberhilfe-Gesellschaft nicht ausschließen. Aber Vorstand Thomas Dane sieht ebenfalls die Notwendigkeit, die Strukturen der Gesellschaft grundlegend zu ändern. „Die ehemalige Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner wird in den Aufsichtsrat der Treberhilfe einziehen“, sagte Dane. Er selbst bekomme ebenfalls einen Sitz in dem Kontrollgremium. Außerdem sollen zwei Vorstände des Treberhilfe-Vereins die gemeinnützige Treberhilfe-Gesellschaft kontrollieren. Ausgeschlossen aus dem Aufsichtsrat bleibt Ehlert – dabei hatte er gestern noch verkündet, dass er einen Sitz in dem Gremium beansprucht. „Wir haben ihm deutlich gemacht, dass er sich nicht selbst kontrollieren kann“, so Dane. Ehlert habe das akzeptiert. Die Gründung des Aufsichtsrates soll noch am Donnerstag erfolgen. Ehlert sei außerdem nahegelegt worden, erst einmal Urlaub zu nehmen, so Dane.

Aus Senatskreisen ist zu hören, dass man auch auf eine Veränderung der Gesellschaftsanteile bei der Treberhilfe drängt: Ehlert gehört die Hälfte der gemeinnützigen Gesellschaft. Das soll geändert werden. Allerdings wird harter Widerstand vom Unternehmensgründer erwartet. Zumal dieser kein Geld für die Rückgabe von Geschäftsanteilen bekommen würde – sonst würde die Treberhilfe ihren gemeinnützigen Status verlieren.

Geprüft wird in Senatskreisen auch, ob ein Transparenzgesetz für Hilfeeinrichtungen eingeführt werden kann. Für landeseigene Unternehmen und Beteiligungen gilt dies schon. Diese Firmen müssen etwa die Einkünfte ihrer Vorstände offenlegen. Dank dieses Gesetzes weiß man, dass der Chef der Berliner Bäderbetriebe Anspruch auf einen Dienstwagen für Kosten in Höhe von 55 000 Euro hat. Das ist knapp halb so viel, wie der Listenpreis des „Sozial-Maseratis“ der Treberhilfe. (mit ddp)

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