Berlin : Massagen im Tresorraum

Aus dem einstigen Stammsitz der Dresdner Bank wird bis 2006 ein Luxushotel. Die Bauarbeiten am Bebelplatz haben begonnen

Matthias Oloew

Die Ansage ist klar: „Denkmalgeschützter Raum! Arbeiten nur nach Rücksprache mit der Bauleitung!“ So steht es auf dem Schild an der Tür. Immer wieder findet sich dieser Hinweis auf der Baustelle für das neue Luxushotel am Bebelplatz. Damit nach Beginn der Bauarbeiten alles unversehrt bleibt, das schützenswert ist, haben die Leute vom Bau vorgesorgt. Wertvolle Räume mit Vertäfelungen im Renaissance-Stil sind vorsichtshalber verschlossen, Böden und Wandverkleidungen mit dicken Pappstreifen geschützt.

Einer der wenigen, der überall hinein darf, ist der Architekt Georg Wasmuth. Er hat sich auf Denkmalschutz spezialisiert und für den Bauherrn, den Essener Projektentwickler Hochtief, ein Gutachten über das Haus geschrieben. Er führt hin und wieder Besucher über die wohl interessanteste Baustelle der Innenstadt.

Aus dem ehemaligen Stammsitz der Dresdner Bank neben der Hedwigskathedrale in Mitte soll ein moderner Komplex für Büros, Läden und Wohnungen werden. Herzstück ist aber das neue „Grand Hotel de Rome“. So wird der Londoner Hotelier Sir Rocco Forte seine Berliner Dependance nennen, die er hier 2006 eröffnen will.

Wasmuth beginnt seinen Rundgang in der ehemaligen Kassenhalle. Hier wird in zwei Jahren der Concièrge die Gäste begrüßen, die es sich leisten können, eines der künftig 146 Zimmer zu buchen. Oder gleich in einer der 30 Suiten abzusteigen. Fürs Hotel wird die alte Flucht der Bankzentrale wieder hergestellt. Vom Eingang aus geht der Blick durch die Kassenhalle und weitere Nebenräume bis in den künftigen Bankettsaal für 200 Gäste. Für Wasmuth ist dieser Raum eine von vielen Perlen in dem Bankhaus. Mit Säulen geschmückte hohe Wände, im Terrazzoboden eingelassen die Namen der vier Städte, in denen die Dresdner Bank einst hauptsächlich arbeitete: Dresden, Berlin, Bremen und – „das wird Rocco Forte freuen“, glaubt der Denkmalschützer –, London.

1889 beginnt die Geschichte des Hauses. Zunächst war die Dresdner Bank hier nur Mieter, merkte aber bald, dass es im noch jungen Kaiserreich opportun war, seinen Stammsitz in die Hauptstadt zu verlegen. 1924 kaufte sie ihre Nachbarn in dem Areal zwischen Bebelplatz und Gendarmenmarkt auf. Dann gehörten auch die Pommersche Hypotheken-Aktienbank und die Immobilien-Verkehrsbank dazu. Nach dem Krieg zog 1953 zunächst die Landesleitung der SED ein, anschließend die Staatsbank der DDR. Nach dem Mauerfall erhielt die Dresdener Bank die Immobilie nicht zurück, sie fiel an den Bund. Zunächst zog die Berliner Bank ein, dann zeigte das Bundesbauamt Ausstellungen zum Hauptstadtumbau. Im vergangenen Jahr schließlich kaufte Hochtief das gesamte Ensemble und hat bis heute 50 Prozent der gesamten Fläche bereits vermietet – an das Hotel. Interessenten für die Bürohäuser nebenan gebe es schon, sagt Ralf Niggemann, Leiter der Berliner Niederlassung von Hochtief. Über Namen, Mietpreise oder Investitionssummen schweigt er sich aber lieber aus.

„Und jetzt gehen wir in den Tresorkeller.“ Wasmuths Augen leuchten. Dabei sind die Tresorräume eigentlich ein Problemfall für jeden Projektentwickler. Enge Räume mit bis zu einem Meter dicken Wänden und schwere Stahltüren – das alles ist nur mit riesigem Aufwand abzureißen oder zu verändern. Und in diesem Fall auch viel zu teuer und zu schade; das gilt zum Beispiel für den so genannten Schmucktresorraum. Hier gab es hunderte Stahlkammern, in denen die Schatullen für die Edelsteine der gehobenen Gesellschaft gerade mal so Platz fanden. Jetzt stehen nur noch acht schöne Granitsäulen stehen mitten im Raum. „Hier entsteht der Poolbereich“, erklärt Thorsten Bischoff, der Hochtief-Projektleiter. Dabei werden die Hotelgäste wohl um die Säulen drumherum plantschen müssen. Granit verträgt sich so schlecht mit Chlorwasser. Und ein anderer, viel kleiner Tresorraum, dessen Stahltür offen steht und erhalten bleibt, wird zum Massageraum. „Die Gäste werden überall erkennen, dass dies eine Bank war“, sagt Wasmuth.

„Wir hatten längst nicht für alle Panzertüren Schlüssel“, erzählt Niederlassungsleiter Niggemann, „da haben wir zunächst ein rundes Loch in die Tür geschweißt und dann ist jemand reingeklettert, um den Tresorraum von innen zu öffnen.“ Was hat er drinnen gefunden? „Nichts.“

Die Beletage der Bank war für die Direktoren reserviert. Künftig werden es die Suiten sein. Die Präsidentensuite ist aber unterm Dach geplant, mit Terrasse und Blick auf den Bebelplatz. Überhaupt das Dach. Aus Gründen des Denkmalschutzes kommt zum Bebelplatz hin kein Geschoss mehr oben drauf, zur Französischen Straße aber schon. Und von oben gibt es einen schönen Blick auf Staatsoper, Berliner Dom, Hedwigskathedrale und den Gendarmenmarkt.

Die Führung ist zu Ende. Die wertvollen Räume werden wieder abgeschlossen. Jetzt beginnen die Bauarbeiter im ganzen Haus, Zwischenwände herauszureißen, die nach dem Krieg eingebaut wurden. Der Denkmalschutz-Fachmann hat damit kein Problem: „Diese Wände lassen sich gut versetzen.“ Hauptsache, die Vertäfelungen im Stil der Renaissance bleiben erhalten. Und alle Handwerker halten sich an das, was auf den Schildern steht: „Arbeiten nur nach Rücksprache!“

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