Berlin : Massenproteste mit Gebeten und „Bush-Trommeln“

NAME

Von Tobias Arbinger

Vor dem Berlin-Besuch von US-Präsident George Bush kommende Woche sind Massendemonstrationen im Zentrum der Stadt zu erwarten. Ein Bündnis aus Friedensinitiativen, Globalisierungsgegnern, Gewerkschaften, Abgeordneten von SPD, PDS und Grünen, kirchlichen und anderen Organisationen ruft am Dienstag, dem 21., und am Mittwoch, dem 22. Mai, zu Demonstrationen und Kundgebungen zwischen Unter den Linden und Alexanderplatz auf.

Bündnis-Sprecher Reiner Braun gab sich gestern zuversichtlich, dass die Proteste friedlich ablaufen. „Kein Fenster muss verbarrikadiert, kein Laden geschlossen werden.“ Sollte dennoch Gewalt von einer Demo ausgehen, sei der „größte Schutz“ eine möglichst hohe Zahl friedlicher Demonstranten „vor, hinter, rechts und links“ von Störern. Im Übrigen habe man eigene Ordner. „Wir sind auf Provokationen eingestellt“. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit rief die Demonstranten gestern zum Gewaltverzicht auf. Andernfalls werde die Polizei „mit der notwendigen Härte“ dagegen vorgehen.

Dem Bündnis „Achse des Friedens“ gehören rund 200 Gruppen an, die der US-Regierung „Kriegstreiberei“ und eine hegemoniale Wirtschafts- und Sicherheitspolitik vorwerfen. Die Veranstalter rechnen bei der „ersten bundesweiten Aktion der Friedensbewegung an einem Werktag“ mit mehreren 10 000 Teilnehmern.

Die Demonstration beginnt am Dienstag um 16 Uhr an der Neuen Wache „ Unter den Linden“. Der Weg führt vom Alex zur Otto-Braun-Straße, wo von 17 bis 19.30 Uhr eine Kundgebung und ein Kulturprogramm geplant sind. Angekündigt wurden gestern Sprecher der IG-Metall und der evangelischen Kirche, weiterhin sollen Studentenvertreter sowie die Liedermacher Konstantin Wecker und David Rovics ans Mikro gehen.

Am Mittwoch beginnen die Proteste ab 15 Uhr zwischen der Humboldt-Universität und dem Berliner Dom. Auch dort sind ein Musikprogramm, Stände und Reden vorgesehen. Ein Demonstrationszug soll sich dann über die Karl-Liebknecht-Straße, Alexanderplatz, Grunerstraße, Spandauer Straße, Werderscher Markt und Schloßplatz zurück nach Unter den Linden bewegen. Am Berliner Dom steht ab 18 Uhr ein bundesweites „Bush-Trommeln“ auf dem Programm. Und ab 19 Uhr ist am Dom ein Interreligiöses Friedensgebet geplant.

Laut Bündnis-Sprecher Braun soll es am Mittwoch zudem an mehr als 100 Orten bundesweit zu zusätzlichen Protestaktionen kommen. Das Bündnis erwarte zudem viele Demonstranten aus ganz Deutschland, die extra nach Berlin reisen. Am Donnerstag, dem 23. Mai, an dem der US-Präsident voraussichtlich vor dem Bundestag spricht, planen autonome Gruppen weitere Proteste in Form von dezentralen Aktionen. „Damit haben wir aber nichts zu tun“, heißt es beim Demobündnis „Achse des Friedens“.

Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) hat sich gestern entschieden, nicht an der Anti-Bush-Demonstration teilzunehmen. Dieser Entschluss sei ihr schwer gefallen, bekannte sie. Sie wolle jedoch der Koalition nicht schaden. „Ich unterstütze das Anliegen all jener, die friedlich Kritik an der auf Kriegsdrohung ausgerichteten Politik der USA üben.“ Daher sei es richtig, dass die PDS zur Demonstration aufrufe, erklärte die Sozialsenatorin.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar