Berlin : Massenschlägerei am Ring – auch Boxer k.o.

Kampftag in Spandau: Dutzende Zuschauer prügelten mit Stühlen und Stahlruten aufeinander ein

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In der Spandauer BrunoGehrke-Halle flogen die Fäuste – erst während des „Gesundbrunnen-Turniers“ im Boxring, anschließend unter den Zuschauern. Bei der Massenschlägerei am Sonntagnachmittag registrierte die Polizei sechs Verletzte. Von den 20 bis 30 prügelnden Zuschauern, die mit Stühlen, Knüppeln und Stahlruten aufeinander losgegangen waren, wurde auch einer der Boxer k.o. geschlagen. Er war aus dem Ring geklettert, als die Prügelei los ging. Ob er schlichten oder mitmachen wollte, ist nicht bekannt. Er erlitt eine Verletzung am Auge und eine Platzwunde am Kopf.

Für den Präsidenten des Berliner Boxverbandes, Hans-Peter Miesner, war die Schlägerei geplant: „Ein krimineller Akt, der nichts mit Sport zu tun hat“, sagte er. Es habe zuvor keine strittige Entscheidung des Ringrichters gegeben. Der Verband werde den Vorfall untersuchen und seine Konsequenzen ziehen. Die Schläger entwischten.

Das „Gesundbrunnen-Turnier“ zwischen dem SC Koryo aus Neukölln und dem Spandauer Box-Club (SBC) war friedlich gestartet. Etwa 200 Zuschauer sahen die Boxkämpfe. Aber gegen 14 Uhr, während des letzten Kampfes, gab es im „blauen Block“ der Spandauer Fans Unruhe, berichtete Hallenwart Jörg Rogall. Er beobachtete die Kämpfe von einer erhöht liegenden Glaskuppel aus und steuerte von dort die Akustik. Etwa ein halbes Dutzend Fans sei in den Bereich der Koryo-Fans gegangen. Dort gab es zunächst verbale Auseinandersetzungen mit Gerangel, aber innerhalb kürzester Zeit wurde eine Schlägerei daraus. Erst flogen die Stühle, dann die Fäuste. Innerhalb weniger Minuten verlagerte sich die Prügelei ins Treppenhaus. Unter Missachtung jeder Boxregel griffen die Beteiligten sich die Wasserflaschen vom Imbissstand und schlugen damit zu. Auch die auf dem Tresen stehenden Thermoskannen mit Kaffee und Tee wurden durch die Luft geschleudert.

„Die sind völlig abgedreht. So was hab ich noch nie erlebt“, sagte Rogall am Montagmorgen noch sichtlich geschockt. Das sei alles so schnell gegangen: „Ratz-fatz-bum-bum.“ Noch am Sonntagabend seien die Spuren der Verwüstung beseitigt worden, sagte Rogall. Die Blutspuren zogen sich bis in die Toiletten im Untergeschoss.

Diebe nutzten das Durcheinander im Treppenhaus und knackten am Imbiss die Kasse. Der Inhalt von rund 200 Euro ist ebenso verschwunden wie der Fotoapparat eines Mitarbeiters des bezirklichen Sportamtes. Den Gesamtschaden schätzte Jörg Rogall gestern auf rund 2000 Euro.

Als die Polizei mit 14 Funkwagen und fast 30 Beamten eintraf, flohen die Schläger. Entweder rannten sie zu Fuß weg oder fuhren in ihren Autos davon. Festnahmen gab es keine. Rogall und Boxpräsident Miesner sind sich einig: Es war ganz offensichtlich eine Auseinandersetzung unter Kurden und Türken, die die Sportveranstaltung nutzten, um ihre Feindseligkeiten auszutragen. Die deutschen Besucher der Boxveranstaltung seien schnell aus der Halle geflohen, sagte Rogall. weso

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