Masterplan : Ab 2011 wird auf dem Kulturforum gebaut

Die Senatsbaudirektorin Lüscher beruft ein Expertengremium ein. Die Parteien fordern eine Belebung des Ortes, bewerten den Masterplan aber kritisch.

Sabine Beikler,Ralf Schönball
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Masterplan. So soll das Areal um das Kulturforum aussehen. -Grafik: berlin.de

Ein Experten-Gremium soll erste Entwürfe für eine Neugestaltung des Kulturforums in Form von Zwischennutzungen noch bis Ende dieses Jahres erarbeiten. Dies sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher gestern dem Tagesspiegel. Der beklagenswerte Zustand des Kulturforums hatte Kulturstaatssekretär André Schmitz vorgestern dazu veranlasst, zu fordern, die Umsetzung des vor fünf Jahren vom Abgeordnetenhaus beschlossenen Masterplans „endlich anzugehen“.

Auch Regula Lüscher will das Kulturforum aus seinem „Dornröschenschlaf“ erwecken. Deshalb soll bereits am kommenden Montag der erste Workshop für eine Umgestaltung stattfinden. Landschaftsplaner, Architekten, Event- und Beleuchtungs-Experten sollen gemeinsam mit Vertretern der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie der Philharmonie den unwirtlichen Vorplatz der Kultureinrichtungen so umgestalten, dass Besucher nicht gleich nach Veranstaltungen die Flucht ergreifen.

„Wir wollen einen landschaftlich geprägten Raum schaffen, der auch Events zulässt“, sagte Regula Lüscher. Das Kulturforum müsse „besser inszeniert werden“, indem eine Art „Kultur-Bühne“ geschaffen wird, die aber auch einen Ort für Besinnung zulässt. Auch „integrierte Gastronomie“ müsse dort angesiedelt werden, die in einem pavillonartigen Neubau untergebracht werden könnte. Das zählt zu den ersten Überlegungen.

Lüscher sagte, sie stimme darin mit Ihrem Kollegen, Kulturstaatssekretär Schmitz überein, dass die Eingriffe der „Qualität und der Bedeutung des Ortes gerecht werden müssen“. Als Beispiele für mögliche Maßnahmen nannte Lüscher einen Skulpturenpark und die Gestaltung eines „Kulturboulevards“ als Verlängerung des „Boulevards der Stars“ vom Potsdamer Platz bis zum Kulturforum. Dies ist eine Idee der Architekten Graft und Partner, die wegen der Zusammenarbeit mit Hollywoodstar Brad Pitt bekannt wurden. Graft-Architekten sind in dem Experten-Gremium vertreten.

Die Mittel für diese erste Stufe in Form einer Zwischennutzung seien bereits im Haushalt eingestellt: Für die Planungen sollen 100 000 Euro im kommenden Jahr fließen, ab 2012 rund 2,5 Millionen Euro für die Umgestaltung des Kulturforums. Eine Verwirklichung des Masterplans sieht Lüscher frühestens „um das Jahr 2020 herum“. Der Immobilienmarkt verhindere zurzeit einen lukrativen Verkauf der Grundstücke auf dem Areal, aus dessen Einnahmen die Umsetzung des Masterplans finanziert werden soll.

Auf den Vorstoß von Kulturstaatssekretär Schmitz reagierten alle Parteien darin einmütig, dass das Kulturforum städtebaulich aufgewertet werden muss. Mit einer Umsetzung des Masterplans des früheren Senatsbaudirektors Hans Stimmann kann sich aber keine Fraktion anfreunden. Selbst in der Koalition sind deutlich kritische Töne zu vernehmen. „Es gibt keine Notwendigkeit, den Masterplan jetzt umzusetzen“, sagten die Stadtentwicklungspolitikerin Ellen Haußdörfer und die Kulturpolitikerin Brigitte Lange (beide SPD). Der Masterplan habe keine Zustimmung in der SPD-Fraktion gefunden. Schmitz’ Position sei „eine Meinung von vielen“, so Haußdörfer.

Für den Ex-Kultursenator und Vorsitzenden des Stadtentwicklungsausschusses, Thomas Flierl (Linke), ist Stimmanns Petitum für den eigenen Masterplan ein „letzter Hilfeschrei“. Auch Flierl steht dem Masterplan „sehr skeptisch“ gegenüber. Eine Bebauung des Kulturforums würde der Weiterentwicklung einer offenen Stadtlandschaft im Sinne von Hans Scharoun entgegenstehen. Durch Stimmanns Pläne würde diese Idee „verfremdet und überformt“. Die Ansiedlung von Galerien oder Cafés sei zwar sinnvoll, eine Umgestaltung des Kulturforums zu einem zweiten Potsdamer Platz dagegen „abwegig“. Außerdem fehle ein Investitionsplan. Flierl will demnächst über die Gestaltung des Kulturforums im Stadtentwicklungsausschuss sprechen.

Scharf attackiert CDU-Kulturpolitiker Michael Braun den Vorstoß von André Schmitz. „Warum forciert der Staatssekretär zum wiederholten Male städtebauliche Fragen, die eigentlich von der zuständigen Senatorin Junge-Reyer geführt werden sollten?“ Die CDU lehne den von Stimmann vorgelegten Masterplan ab und favorisiere das Scharounsche Konzept, auf dem Kulturforum einen Künstler-Treffpunkt und Häuser in Scharouns „organischem Stil“ zu errichten.

Für den FDP-Stadtentwicklungspolitiker Klaus- Peter von Lüdeke ist der Masterplan eine „Zerstörung des Gesamtensembles“. Die Errichtung eines Künstlergebäudes wie es Scharoun vorgesehen hatte, sei der „Lückenschluss“ des Ensembles. Für die Grünen-Kulturpolitikerin Alice Ströver sind die Bebauungspläne des Senats wegen fehlender Investoren „Wolkenkuckucksheime – wir brauchen eine Belebung des Platzes. Darüber müssen wir sprechen“, sagte Ströver.

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