Masterplan Alexanderplatz : Das ist dem Senat zu hoch

Am Alexanderplatz sollten zehn Türme ein Gefühl von Weltstadt vermitteln, doch die Investoren mauerten. Jetzt rückt auch Baudirektorin Lüscher von den alten Plänen ab. Und die Opposition im Abgeordnetenhaus ist begeistert.

von

Der Masterplan für eine Hochhaus-Skyline am Alexanderplatz hat offenbar kaum noch Chancen, umgesetzt zu werden. Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher plädiert für eine neue Debatte um die Gestaltung des Platzes. Die alte Planung des Architekten Hans Kollhoff von 1993 – eine Skyline mit zehn Türmen – sei nicht mehr umsetzbar.

Die Frist zur Realisierung der Hochhäuser sei abgelaufen, sagt Lüscher, „deswegen gibt es jetzt einen historischen Moment, in dem sich das Land Berlin überlegen kann, ob es eine Umplanung vornimmt, die sich stärker an den bestehenden Gebäuden orientiert. Ob wir diese Chance nutzen wollen, müssen wir jetzt diskutieren gemeinsam mit dem Abgeordnetenhaus.“ Der Kollhoff-Plan sah vor, Hochhäuser auf Sockelbauten rund um den Platz zu errichten. Dazu hätten vorhandene Gebäude wie das Park Inn und das Haus des Reisens abgerissen werden müssen. Deren Eigentümer hatten sich dazu in städtebaulichen Verträgen verpflichtet. In der Realität wurden die Bauvorhaben aber immer weiter in die Zukunft verschoben. Lediglich das Unternehmen Hines hält an seinen Plänen fest. Auf dem Sockelgebäude des Saturn-Marktes soll ein Wohnturm errichtet werden. Dieses Vorhaben sei von einer möglichen Umplanung nicht betroffen, sagt Lüscher.

Das Hines-Hochhaus hatte eine hitzige Debatte um den alten Masterplan von Kollhoff ausgelöst. Der Stadtplaner Dieter Hoffmann-Axthelm sprach im Tagesspiegel von einem „planerischen Wahnsinn“ und forderte den Senat auf, den „missglückten Städtebau“ mit breiten Kreuzungen und langen Gebäuderiegeln zu korrigieren.

Regula Lüscher argumentiert eher pragmatisch. Weil man nicht gegen die Bauherren an alten Plänen festhalten könne, müsse man eben zusammen mit ihnen eine neue Planung erarbeiten. Vorhandene Gebäude aus der DDR-Stadtplanung empfindet Lüscher als durchaus erhaltenswert. Allein auf dem Areal des Hotels Park Inn hätten drei neue Hochhäuser entstehen sollen.

Die Koalitionsfraktionen reagieren zurückhaltend auf Lüschers Vorstoß. „Wir brauchen ein paar mehr Argumente, um von der bisherigen Planung abzurücken“, sagt Ellen Haußdörfer, Stadtentwicklungsexpertin der SPD. „Wir suchen händeringend nach Flächen für neuen Wohnraum“, da sollte man auch an Hochhäuser denken. „Der Alexanderplatz ist und bleibt der prädestinierte innerstädtische Ort für eine Hochhausbebauung“, sagt Stefan Evers von der CDU. Man werde „keiner Planung zustimmen, die die bauliche Banalisierung dieses wichtigen innerstädtischen Platzes verfestigt.“ Die Opposition befürwortet dagegen ein neues Nachdenken über den Alexanderplatz. „Wir waren schon immer gegen die Kollhoff-Pläne“, sagt Katrin Lompscher von den Linken. „Der Masterplan hat die Entwicklung eher gehemmt als gefördert.“ Der Platz sollte ein Hochhausstandort werden, aber unter Berücksichtigung der vorhandenen Gebäude. Auch Antje Kapek von den Grünen begrüßt „die neue Dynamik der Diskussion“. Der Alexanderplatz brauche „mehr Aufenthaltsqualität“. Auf jeden Fall sollten die Anwohner in das Verfahren einbezogen werden.

Der ehemalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann warnt vor einer Revision des alten Kollhoff-Plans. „Das wäre eine Titanenaufgabe.“ Es würde reichen, die vorhandenen Bebauuungspläne anzupassen und die Traufhöhe der Hochäuser zu reduzieren, von 150 auf 100 Meter. Kollhoff habe ein geschlossenes Konzept vorgelegt. Bei einem Abweichen bestehe die Gefahr, dass vorhandene „Brüche“ im Stadtgrundriss fortgeschrieben werden und am Ende ein Wildwuchs entstünde.

Der ehemalige Stadtentwicklungssenator Volker Hassemer saß damals in der Jury, die Kollhoff zum Sieger des Masterplan–Wettbewerbs kürte. 1993 rechneten viele Politiker noch mit einem schnellen wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt. „Der Alexanderplatz sollte eine städtische Adresse im internationalen Kontext werden“, sagt Hassemer, „bedeutender als der Potsdamer Platz“. Eine Abkehr von den Plänen sei „schwer nachvollziehbar“ und komme zum falschen Zeitpunkt. Der Immobilienmarkt lasse inzwischen auch Hochhausprojekte wieder interessant erscheinen. „Stadtplanung darf sich nicht an der aktuellen Finanzlage der Eigentümer orientieren.“

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar