Masterplan : Senat will Kulturforum umbauen

Vor dem Hintergrund der Debatte um den Umzug der Gemäldegalerie auf die Museumsinsel hat sich Kulturstaatssekretär André Schmitz für die Neugestaltung und Bebauung des Kulturforums am Tiergarten zwischen Philharmonie und Neuer Nationalgalerie ausgesprochen. Dem Tagesspiegel sagte Schmitz: „Die Stadt muss endlich die architektonische Gestaltung des Kulturforums angehen.“

Ralf Schönball
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Filmreif. Im Sommer hilft das Freiluftkino, das sonst wenig einladende Kulturforum ein bisschen zu beleben.Foto: Davids/Domanski

Ihm sei bewusst, dass er sich mit diesem Vorschlag auf ein „Minenfeld“ begebe, weil das Kulturforum seit Jahren ein „städtebaulich umkämpftes Areal“ ist, so Schmitz. Die großen freien Flächen rund um die Matthäuskirche seien jedoch ein Erbe der Nachkriegszeit und stünden im Widerspruch zum Leitbild zeitgenössischer europäischer Städte.

Schmitz regt die Umsetzung eines bereits vorliegenden Masterplans für das Kulturforum an. Dieser war unter der Regie des früheren Senatsbaudirektors Hans Stimmann entworfen worden. Stimmann sagte auf Anfrage: „Die Museen und öffentlichen Einrichtungen funktionieren, aber der öffentliche Raum ist ein Desaster.“ Stimmann spricht von einem „traurigen Ort“, der aus seinem „Schattendasein befreit werden muss“. Vor vier Jahren hatte der Senat Stimmanns Masterplan für das Kulturforum verabschiedet. Realisiert wurde er bisher nicht.

Schmitz’ Vorschlag zur Verdichtung des Kulturforums folgt ähnlichen Prämissen wie sein Vorstoß, das historische Marienviertel in Mitte gegenüber vom Roten Rathaus zu rekonstruieren. Auf den großen freien Flächen, die in West- und Ost-Berlin einst nach städtebaulichen Leitbildern der Moderne entstanden, sollen historische Straßenzüge und Neubauten entsprechend der alten Stadtstruktur entstehen. Doch anders als im Falle des Marienviertels war der Masterplan zum Kulturforum Ergebnis eines Konsens, der nach zahlreichen Workshops und Debatten unter Experten und Politikern erzielt – und vom Senat verabschiedet wurde.

Stimmann sieht ein neues Kulturforum als „reinen Kulturort“. Zu den wichtigsten Eingriffen zählten der Abriss der „Rampe“ vor der Gemäldegalerie, die Errichtung eines Eingangsgebäudes vor der Philharmonie, der Bau von privaten Kunstgalerien neben der Matthäuskirche und die Anlage eines kleinen Platzes mit Arkaden, der von Neubauten gesäumt wird – nach Plänen des Architekten Romano Burelli aus Venedig. Hier könne ein Treffpunkt für Besucher von Museen, Konzerthäusern und der Kirche entstehen: mit Cafés und Restaurants. Als mögliche Nutzer der geplanten Neubauten sieht Stimmann die Verwaltung der Philharmonie, die zurzeit Büros am Potsdamer Platz mietet, aber auch ein „Kultur-Kaufhaus“ zum Beispiel.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bestätigte, dass „es einen Masterplan aus dem Jahr 2005 mit einem Senatsbeschluss gibt“. Dieser sehe aber vor allem die Vermarktung der Grundstücke auf dem Kulturforum vor. Wegen der Wirtschaftskrise gestalte sich dieses Vorhaben jedoch schwierig. Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe begrüßte den Vorstoß von Schmitz und schloss sich diesem an. „Es ist geradezu eine Pflicht, diesen Ort seiner Bedeutung entsprechend umzubauen“, sagte er auf Anfrage. Der Masterplan sei mit hoher Professionalität entwickelt und habe das Potenzial, die „bestehenden Missstände“ zu beseitigen.

Gothe stößt sich vor allem daran, dass das Kulturforum „wenig Verweilqualität bietet“. Die Umgestaltung des Kulturforums wird seit dem Fall der Mauer diskutiert.

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