Mathe-Abschlusstest : Schwierige Prüfung

28.000 Schüler haben am Montag den Mathematik-Test für den Mittleren Schulabschluss wiederholt. Viele klagten, die Aufgaben seien diesmal kniffliger gewesen. Und es gab Gerüchte, dass sie abermals im Internet vorab veröffentlicht wurden.

Katja Gartz[Susanne Vieth-Entus]
Proteste
Im Vorfeld der Prüfung waren viele Schüler gegen Senator Zöllner auf die Straße gegangen. -Foto: dpa

Operation gelungen – Patient lädiert: So lässt sich wohl die gestrige Wiederholung der Mathematikprüfung für den Mittleren Schulabschluss zusammenfassen. Nach bisherigem Kenntnisstand hat es mit der Geheimhaltung dieses Mal wohl geklappt. Allerdings berichteten Schüler und auch einige Lehrer, dass die Aufgaben dieses Mal schwieriger gewesen seien. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) will dies „überprüfen“.

Schüler hätten geweint, hieß es nach der Klausur sogar aus dem Evangelischen Gymnasium zu Grauen Kloster in Wilmersdorf. Dort würden jetzt sogar gute Schüler maximal mit einer „Drei“ rechnen, berichtete eine Mutter. Von weinenden Schülern berichtete auch die Leiterin der Spandauer Gottlieb-Daimler-Hauptschule, Maria von Mettenheim. Ein beteiligter Mathematiklehrer sagte dem Tagesspiegel, die Aufgaben seien nach seiner Einschätzung „schwieriger als der erste Test gewesen – das ist sicher“.

In der Bildungsverwaltung hieß es, es sei bei Wiederholungsprüfungen immer so, dass die Aufgaben beim zweiten Mal als schwieriger empfunden würden. Das sei ein „psychologisches Phänomen“. Ralf Treptow vom Verband der Oberstudiendirektoren empfahl, zunächst die Ergebnisse abzuwarten und sie mit denen der Vorjahre zu vergleichen. Anders sei eine objektive Bewertung nicht möglich.

Allerdings gibt es auch aus seiner Schule, dem Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasium, Hinweise darauf, dass die Aufgaben schwieriger waren. Kollegen hätten gesagt, dass sich die Aufgaben jetzt „langsam dem gewünschten Niveau von Gymnasien“ angeglichen hätten, berichtet Treptow.

Insgesamt war die Stimmung an etliche Schulen gedrückt. Auch im Hildegard-Wegscheider-Gymnasium überwog Skepsis: „Die Mathearbeit war viel schwieriger, ich habe 15 Minuten länger gebraucht", berichtet Zehntklässlerin Victoria. „Diesmal gab es viele quadratische Gleichungen, die hatten wir noch nie in einer Prüfung", sagt Schülerin Nora. Julian fand, dass „die Aufgaben lösbar waren, aber schwieriger und aufwendiger“. Man habe sogar maßstabsgetreu zeichnen müssen, was völlig unerwartet kam. Mathelehrerin Roswita Uhlitz meinte hingegen, die Aufgabenstellungen seien zwar anders, aber nicht schwieriger gewesen als beim ersten Mal.

Um den Streit um den angeblich höheren Schwierigkeitsgrad schnell zu klären, will die Bildungsverwaltung die Aufgaben von beiden Prüfungen schnellstens ins Netz stellen. Geplant war das schon für gestern Abend.

Insgesamt betonte Zöllner, der zentrale Test sei „ordnungsgemäß verlaufen“. Es gebe auch keine Hinweise auf einen Boykott des Tests durch einzelne Schüler. Insgesamt mussten 28 000 Zehntklässler erneut schreiben, weil an etwa 90 von 360 Schulen die Aufgaben beim ersten Mal durchgesickert waren.

Auch gestern gab es wieder Gerüchte über bekannt gewordene Aufgaben. Selbst der CDU-Abgeordnete Sascha Steuer behauptete, es gebe entsprechende Hinweise. Bildungs-Staatssekretär Eckart Schlemm (SPD) bitte jetzt die Staatsanwaltschaft, Kontakt zu Steuer aufzunehmen, sagte gestern der Sprecher der Bildungsverwaltung, Kenneth Frisse. Steuer habe dann die Möglichkeit, Informationen an die Ermittler weiterzuleiten.

Wie berichtet, hatte Senator Zöllner bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen unbekannt wegen der duchgesickerten Aufgaben erstattet . Katja Gartz, Susanne Vieth-Entus

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