• Mathematik im Berliner Grundschulstudium: Macht die Uni es künftigen Lehrern zu schwer?

Mathematik im Berliner Grundschulstudium : Macht die Uni es künftigen Lehrern zu schwer?

Die Bewertungen über das FU-Lehramtsstudium in Mathe gehen auseinander. Eine Studentin beklagt Einschüchterung. Die Dozentin verweist auf eine Erfolgsquote von 75 Prozent - statt 25 Prozent Durchfaller.

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Rechenschwäche. Es sei an den Studierenden „vorbeidoziert“ worden, schrieb eine Studentin dem Tagesspiegel.
Rechenschwäche. Es sei an den Studierenden „vorbeidoziert“ worden, schrieb eine Studentin dem Tagesspiegel.Foto: dpa

Nach dem zweimaligen massenhaften Scheitern an einer entscheidenden Klausur im Lehramtsstudium der Freien Universität hat sich eine weitere Studentin gemeldet. In einer Stellungnahme an den Tagesspiegel schreibt sie, die Studierenden seien „systematisch eingeschüchtert“ worden. Es sei an ihnen „vorbeidoziert“ worden, „ohne sich darüber Gedanken zu machen, wie verständlich und respektvoll die Erklärungen sind“.

Der Tagesspiegel hatte am Sonnabend berichtet, dass die veränderten Auflagen für angehende Lehrer unerwünschte Nebenwirkungen haben: Neuerdings müssen alle Studenten, die die Grundschule anpeilen, Mathematik als Hauptfach wählen, damit die extrem schwachen Mathekenntnisse der Berliner Schüler besser werden. Wissenschaftler vermuten, dass in den sechs Jahren Grundschule zu viele Chancen vertan werden, weil überwiegend von Lehrern unterrichtet wird, die das Fach Mathematik nicht studiert haben.

Die FU konzipierte nach einer entsprechenden Gesetzesänderung ein neues „Modul“, das auf künftige Grundschullehrer zugeschnitten sein sollte.

Schon im August hatte es einen Protestbrief gegeben

Manche Studenten bezweifeln, dass dies gelungen ist: „Zu Beginn des Mathemoduls wurde zum Beispiel eine Übung erteilt, man solle einen Beweis führen über eine bestimmte mathematische Sachlage. Fein... Nun waren aber fast 90 Prozent aller Studenten sich gar nicht darüber im Klaren, wie die Fragestellung zu verstehen war“, schreibt die Studentin, die auch beim zweiten Versuch an der Abschlussklausur scheiterte. Schon im August hatte es einen Protestbrief aus der Studentenschaft gegeben. Die betreffende Dozentin, Christine Scharlach, betont hingegen, die Veranstaltung sei auf angehende Grundschullehrer ausgerichtet gewesen.

Wie berichtet, waren beim ersten Versuch 36 Prozent und beim zweiten 43 Prozent durchgefallen. Da für einige Studenten die zweite Klausur der erste Versuch war, hätten insgesamt 25 Prozent des Jahrgangs nicht bestanden, berichtet Scharlach, Da die Studenten noch einen dritten Versuch sowie eine mündliche Prüfung als Chance haben, hofft Scharlach, dass die Zahl jener, die die Hürde gar nicht nehmen können, letztlich nicht höher als „10 bis 15 Prozent“ liegen wird. Solche Werte gibt es zwar auch in anderen Fächern; für Berlin wäre es dennoch verhängnisvoll, da die Zahl der Lehramtsstudenten für die Grundschule ohnehin eklatant unter dem Bedarf liegt.

Zudem besteht die Gefahr, dass sich künftig Studenten von Anfang an gegen das Fach entscheiden, wenn es als zu mathematiklastig gilt. Fachleute vermuten, dass die Mathematikkenntnisse, die für das Berliner Abitur verlangt werden, keine ausreichende Basis für die Universitätsanforderungen bilden.

Die Freie Universität überarbeitet die Studienordnung

Scharlach ist dennoch optimistisch: „Es haben in jeder Klausur deutlich über 50 Prozent bestanden und insgesamt 75 Prozent. Das sind doch viele, die es können!“, betonte sie am Sonntag. Wie berichtet, kündigte die FU an, dass die Erfahrungen mit dem Modul „in die anstehende Überarbeitung der Studienordnung einfließen“.

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